Sind die Fußballvereine im Bezirk Lilienfeld in Gefahr?. Die Anzahl der Fußballvereine hat in diesem Jahr einen historischen Tiefststand erreicht.

Von Claus Stumpfer. Erstellt am 23. Juli 2019 (03:14)
NOEN

Zehn Fußballvereine in Niederösterreich zogen heuer die Reißleine und stellten den Spielbetrieb ein. Vereine im Bezirk Lilienfeld sind zum Glück aber nicht betroffen, im Gegenteil: Fußball im Traisen- und Gölsental erlebt derzeit einen regelrechten Boom. Aushängeschild ist dabei natürlich der USC Indat Rohrbach, der als Zwerg unter den Landesligaklubs schon das dritte Jahr die höchste Liga Niederösterreichs halten konnte — und das auf einer der schönsten Anlagen im Land.

NÖN
- Seit 1911 gibt‘s organisierten Fußball in Niederösterreich unter dem Dach des NÖ-Verbandes. Aktuell sind 503 Vereine Mitglieder des NÖFV.
- Der Höchststand datiert aus dem Jahr 2000, als rund 60.000 Kicker in 523 Klubs am Ball waren. Zur Zeit sind es rund 57.000 aktive Fußballer bei den blau-gelben Klubs.
- Rückgang bei den Frauen: Waren 2015 noch 78 weibliche Teams im Meisterschaftsbetrieb, sind‘s heuer nur mehr 63.

Der letzte Verein aus dem Bezirk, bei dem der Spielbetrieb eingestellt werden musste, ist der SC Rainfeld. Im Jahr 2012 fanden sich keine Funktionäre mehr, die eine Kampfmannschaft aufgestellt hätten, sodass nur der Nachwuchs in der Spielgemeinschaft Gölsental aktiv blieb, der für die Matches auch seine kleine, weiterhin gut gepflegte Anlage zur Verfügung stellt.

„Gerade was die kleinen Vereine in den unteren Spielklassen betrifft, ist aber Vorsicht geboten“

Mehrere Jahre haben auch der SV Hohenberg und der WSV Traisen mit Turbulenzen gekämpft, aber nun scheinen die Wogen geglättet zu sein. Bei den Hohenbergern hat Heinz Spreizhofer 2016 die Obmannschaft übernommen und endlich kann der Verein wieder eine Reserve stellen. Auch die Zeit, als man in der 2. Klasse die Rote Laterne innehatte, ist vorbei. Und beim WSV Traisen hat man in der 2. Klasse Alpenvorland sogar wieder den Aufstieg ins Auge gefasst.

„Gerade was die kleinen Vereine in den unteren Spielklassen betrifft, ist aber Vorsicht geboten“, sagt Karl Bachler, SV-Hohenberg-Urgestein und langjähriger Funktionär. Die Lage sei nämlich nach wie vor prekär. „Es wird immer schwerer, den Verein zu führen“, gibt Bachler zu bedenken. Er führt zwei Gründe ins Feld: „Viele Jugendliche tun sich den Aufwand – regelmäßiges Training und Match am Wochenende nicht mehr an, vor allem wenn der Verein – so wie wir – nur eine Punkteprämie ausbezahlt.“

Zudem habe man mit den Richtlinien des NÖ Fußballverbandes zu kämpfen, die Vereine wie den SV Hohenberg auf die Probe stellen. „Hat man einmal einen talentierten Spieler, kann dieser von größeren Vereinen durch die Zahlung einer Ausbildungsentschädigung einfach abgeworben werden. Sportlich tritt man da als kleiner Verein auf der Stelle.“

Die Eigenbauspielerregelung und die Verpflichtung, eine zweite Mannschaft (Reserve) zu stellen, die am Spieltagen vor dem Duell der Kampfmannschaften im Einsatz ist, stellt den Verein vor zusätzliche Herausforderungen: „Kann man keine Reserve stellen, so ist an den Verband eine Strafe von 80 Euro zu zahlen, die zweite Absage kostet schon 160 Euro!“

NOEN
Heinz Spreizhofer hat als neuer Obmann den SV Hohenberg wieder in ruhigere Fahrwasser geführt.

Die neue Klasseneinteilung, die Auswärtsfahrten bis Lunz am See mit sich bringt, macht die Sache nicht einfacher. „Da wirst du nur ‚untergebuttert‘“, ächzt Bachler. Funktionäre und Sponsoren zu finden, ist nicht leicht. Einnahmen sichert man sich durch kleinere Zuwendungen, etwa in Form von Matchpatronanzen. Vor drei Jahren stand der Verein aufgrund interner Auffassungsunterschiede schon vor dem Zusperren.

„Wir haben uns zusammengesetzt und sind wieder gut aufgestellt“, sagt Bachler. Wie es in Hohenberg mittelfristig weitergeht? „2021 hat der Verein seinen Hunderter, den wollen wir auf jeden Fall groß feiern!“

Zu schaffen macht allen 2.-Klasse-Klubs im Bezirk heuer aber der zwangsweise verordnete Wechsel in die 2. Klasse Alpenvorland. Lange Anreisewege und dazu nur elf Mannschaften — also nur zehn Heimspiele im Jahr — drücken aufs Gemüt der Funktionäre und die ohnehin leeren Klubkassen. Alle 2.-Klasse-Klubs im Bezirk sehnen daher eine Aufstockung der 1. und 2. Klassen sowie die Auflösung der 2. Klasse Traisental herbei.

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