Wirbel in Türnitz um Kühe in Panik. Unbekannte dürften Tiere erschreckt haben. Zudem wurde am Waldrand gegrillt.

Von Markus Zauner. Erstellt am 12. August 2020 (04:13)
Symbolbild
Blajevska Viktoria/Shutterstock.com

Stefan Tröstl, Rinderzüchter am Eibl, ist aufgebracht. „Offensichtlich machten sich ein paar ,Kuherschrecker‘ an unsere Charolais-Herde mit Mutterkühen samt Kälbern und Zuchtstier heran“, schildert er. Fazit: Die Tiere liefen laut Tröstl panisch durch die Weide und trampelten zwei Elektrozäune nieder.

Auch tags darauf sei die Herde noch in höchster Alarmbereitschaft gewesen, habe die Kälber umstellt und auf Geräusche panisch reagiert. Und: „Die Tiere waren von Kopf bis Fuß komplett dreckig, leer mit eingefallenen Hungergruben. Das heißt, sie hatten kaum gefressen – alles Anzeichen, erschrocken worden zu sein“, schildert Tröstl. Der erfahrene Züchter weiß: „Diese Dummheit hätte nicht nur für andere Wanderer lebensgefährlich sein können.“

„Eine totale Wegsperre ist im äußersten Notfall jederzeit möglich.“ Züchter Stefan Tröstl

Tröstl bittet nun die Öffentlichkeit um Hinweise, falls (im Internet) „ein Video mit erschreckten weißen Tieren auftauchen sollte.“ Bisher kam ein solches allerdings noch nicht zum Vorschein. „Wir hatten ja Glück, dass kein Mensch zu Schaden kam, aber was passiert, wenn jetzt was passiert? Was helfen uns noch mehr Hinweistafeln, die sogenannte ,Eigenverantwortung‘ im Gesetz, ein Almsiegel oder Versicherungen, wenn durch solche ,Einzeldeppen‘ Unschuldige zu Schaden kommen und du es diesen Narren nicht oder nur schwer zuordnen kannst?“, fragt sich der Züchter. Er vermisst hier nach wie vor „echte Rechtssicherheit für die Bauern.“ Tröstl scharf in Richtung Politik: „Sorgt für Sicherheit durch Kontrollmechanismen, damit unsere Tiere in Frieden den Almsommer verbringen, wir wieder ruhig schlafen können und die 90 Prozent vernünftigen Wanderer diese tolle Landschaft wieder nutzen können.“

Apropos Gäste: Sorglos agierte auch eine Besuchergruppe, die unweit der Charolais-Herde am Waldrand gegrillt hatte. Davon gibt es bereits ein Beweisfoto.

Der Türnitzer Bürgermeister Christian Leeb stellt unverblümt fest, dass das Erschrecken von Kühen auf der Weide „nicht normal ist.“ Und bei allfälligen Maßnahmen, die jetzt getroffen werden, steht für den Ortschef fest: „Die Sicherheit der Gäste geht vor.“ Konsequenzen will Stefan Tröstl vorerst noch nicht ziehen. Da sich die Wanderer zuletzt vorbildlich an die Hinweise gehalten hätten und auch die Herde wieder zur Ruhe gekommen sei, werde er es bis auf Weiteres bei seinem Appell belassen. Und der lautet: Möglichst die Ausweichroute nehmen. Und wenn es doch diese Strecke sein soll, dann mit Abstand und ruhig die Herde passieren. „Dabei schauen wir von Tag zu Tag und beobachten weiter. Eine totale Wegsperre ist im äußersten Notfall jederzeit möglich“, kündigt der Züchter an.

Polizei setzt nun auf Prävention

Angesichts der aktuellen Vorfälle am Eibl und eines im April trotz behördlichen Verbots entzündeten Lagerfeuers am St. Veiter Staff macht die Exekutive nun mobil. Bezirkspolizeikommandant Michael Hochgerner lädt unter dem Motto „Gemeinsam.sicher mit der Bauernschaft“ noch im August zum Start einer Besprechungsreihe. Abdecken wolle man „ein breites Spektrum an Meinungsbildnern“. Teilnehmer sollen demnach neben Vertretern der Bauernschaft Repräsentanten von Bezirkshauptmannschaft, Polizei, Feuerwehr, Jägern, des Österreichischen Touristenklubs (ÖTK), der Naturfreunde und Bürgermeister sein.

Ziel Nummer eins sei ganz klar die Prävention, informiert Hochgerner: „Wir wollen auf die Gefahren hinweisen.“ Etwa, dass sich beim Erschrecken von Kühen Tier und Mensch schwer verletzen können. Breiter Raum soll aber auch der rechtlichen Aufarbeitung gewidmet werden. So verbietet beispielsweise allein schon das Forstgesetz wegen der Waldbrandgefahr das Entzünden eines Feuers im Bereich des Waldes. Zudem bedarf es auf fremden Anwesen der Zustimmung des Grundbesitzers, um ein Lagerfeuer anzuheizen.