Melk

Erstellt am 22. Januar 2019, 04:00

von Markus Glück und Denise Schweiger

Gunther Sames: „Global agieren, regional wirtschaften“. Ardex-Geschäftsführer Gunther Sames spricht mit der NÖN über seine erste Zeit bei Österreichs führendem Baustoffhersteller.

Gunther Sames ist seit Herbst 2017 neuer Geschäftsführer der Loosdorfer Firma Ardex.  |  Schweiger

Vor mehr als einem Jahr folgte Gunther Sames dem langjährigen Ardex-Geschäftsführer Anton Reithner nach. Mit der NÖN sprach er über sein erstes Jahr, die wirtschaftliche Entwicklung und die Zukunftspläne am Standort Loosdorf.

NÖN: Sie wollten sich bei der Übernahme einer intensiven Einarbeitungszeit widmen. Wie verlief die erste Zeit im Unternehmen?

Gunther Sames: Die Bilanz ist hochpositiv. Ich bin angekommen und gelandet. Mein Vorgänger hat mir die Ankommensphase hochprofessionell gestaltet. Zudem hat er einen Know-how-Beirat gegründet, indem er mir bei Bedarf als zweite Meinung fungiert. Daneben habe ich die Freude im Team gespürt, mit einem neuen Boss zu gestalten.

Sie waren davor Sales Director bei Zellstoff Pöls. Wie schwer war der Umstieg in eine andere Branche?

Viel weniger, als ich es angenommen habe. Zum einen haben mir die Jahre als Sales Director geholfen, das Marktverständnis mitzubringen. In jedem Unternehmen herrschen ähnliche Strukturen und ich greife auf meine Erfahrung im Verkauf und insbesonders auf meine zehn Jahre im Vorstand zurück. Einer der wenigen Vorteile, wenn man älter wird.

Wo haben Sie bisher Akzente bei Ardex gesetzt?

Mein Ziel waren die Stärkung der Marktstellung in Österreich und ein Fokus auf die Exportmärkte. Beides ist gelungen. In Österreich, in einem Umfeld von rund 30 Mitbewerbern, die Marktführerschaft mit fast 30 Prozent zu halten, ist eine Errungenschaft. Im Export haben wir Wachstumsraten im zweistelligen Bereich. Daneben testen wir in unserem Unternehmen gerade interne Arbeitsabläufe, um diese zukunftsfit zu sein. Für uns ist auch wichtig, weg vom Einzelprodukt, hin zu einer gesamten Lösungsberatung zu entwickeln.

Woran fehlt es derzeit am Wirtschaftsstandort Österreich?

Wir haben seitens der Sozialpartnerschaft gute Strukturen, die ein gutes Fundament sind, damit sich Arbeitgeber- und -nehmer finden. Die große Problematik ist der Mitarbeitermangel und der Nachwuchs. Haben wir früher zwei Lehrstellen ausgeschrieben, bewarben sich 40 Personen, heute sind es sechs, diese verfügen dafür aber über gehobene Qualität.

Der Standort hat 90 Mitarbeiter und in den letzten Jahren wurden über 50 Millionen Euro investiert. Kann man bei dieser Größenordnung noch Regionalität leben?

Global agieren, regional wirtschaften macht Sinn. Unser größter Lieferant kommt aus der Gemeinde Melk. Es ist unabdingbar, uns weitgehend mit lokalen Rohstoffen und Dienstleistungen zuversorgen. Wir sind angewiesen, dass wir uns auf regionale Partner verlassen können, die da sind, wenn es brennt.

Wie fühlt sich ein gebürtiger Oberösterreicher in der Region? Sind Sie mit dem Standort in Loosdorf zufrieden?

Ich fühle mich nach vielen Jahren in Fernost und insbesondere in den USA absolut heimisch. Ober- und Niederösterreich agieren ja fast Hand in Hand. Die nächste Grenze zum Mühlviertel ist nicht weit und damit ist die Heimat gleich ums Eck. Der Standort im Mostviertel ist gut, wir sind auf den zwei wichtigsten Verkehrsachsen A1 und Westbahn und das ist für uns ein logistischer Vorteil.

Ardex freut sich auch über regelmäßige Auszeichnungen als „best place to work“. Wo liegt das Geheimnis dahinter?

Wenn eine Führungskraft ausruft, bester Arbeitgeber werden zu wollen, kann es nur schiefgehen. So etwas kann nur aus der gesamten Mannschaft entstehen. Wir haben ein sehr positives Klima. Bindet man die Mannschaft ein, ist sie auch positiv kritisch. Das Ideal ist, wenn Lösungen genannt werden, für die die Mitarbeiter kämpfen und mich überzeugen wollen.