Filmpreis für Maux: „Von blankem Entsetzen ergriffen“. Die Artstettnerin Inge Maux gewann als „beste Nebendarstellerin“ den österreichischen Filmpreis. Der NÖN gab sie ausführliches Interview.

Von Markus Glück. Erstellt am 19. Februar 2019 (04:25)
APA/ Hans Punz
Anstatt einer Dankesrede sang die Artstettnerin Inge Maux ein jiddisches Lied.

Für ihre schauspielerische Leistung im Film „Murer“ erhielt die Art- stettnerin Inge Maux den österreichischen Filmpreis als „beste weibliche Nebenrolle“ für ihren erschütternden Auftritt als Holocaust-Überlebende. Mit der NÖN sprach sie über den Erfolg, ihre Schauspielkarriere, die Liebe zum jiddischen Lied und das Leben im Waldviertel.

Sie haben den Filmpreis für Ihre Rolle als Holocaust-Überlebende erhalten. Wie ist Ihr Bezug zu dieser Zeit und wie bereitet man sich auf diese Rolle vor?

Inge Maux: Der Bezug ist intensiv, da ich mich immer schon mit Texten von Holocaust-Überlebenden beschäftigt habe. Für die Vorbereitung auf die Rolle habe ich alles über das Ghetto von Wilna gelesen. Von Murer hatte ich vor der Rolle überhaupt noch nichts gehört. Als ich zu recherchieren begann, hat mich das blanke Entsetzen ergriffen. Und dann diese unfassbare Ungeheuerlichkeit, dass dieser Prozess mit einem Freispruch endete.

Sie haben bei der Filmgala keine Rede gehalten, anstelle dessen aber ein jiddisches Lied gesungen. Welches Statement verbirgt sich dahinter?

Maux: Die Idee, dieses Lied zu singen, kam mir tatsächlich, um ein Statement für das Leid des jüdischen Volkes zu setzen. Es ist sehr kurz und auch lakonisch und fragt sich, warum sich Menschen Leid antun.

Der Fall Murer gilt als einer der größten Gerichtsskandale der Zweiten Republik. Glauben Sie, dass eine Wiederholung im Heute möglich ist?

Maux: Ich hoffe nicht, dass so etwas wie dieser skandalöse Prozess heute noch möglich wäre oder wieder. Nicht solange wir als Staatsbürger achtsam und wachsam bleiben und dafür sorgen, dass die Politik dem Recht folgen muss und nicht umgekehrt!

„Wir müssen achtsam und wachsam bleiben und dafür sorgen, dass die Politik dem Recht folgen muss und nicht umgekehrt.“Inge Maux, Schauspielerin

Sie haben im Lauf Ihrer Schauspielkarriere bereits viele Rollen in unterschiedlichen Genres gespielt. Wo fühlen Sie sich aber zu Hause?

Maux: Ich habe das unglaubliche Glück, die unterschiedlichsten Rollen angeboten zu bekommen. Ich durfte eine „Sugar- mama“ in „Paradies Liebe“, das „Rösli“ im „Blunzenkönig“, die Biedermama im Landkrimi Wien aber auch die Horrormutter in „Spuren des Bösen“ sein. Zuletzt habe ich mit Ulrich Seidl „Böse Spiele“ in Rimini gedreht. Ich arbeite sehr gerne mit Seidl, denn es ist spannend, fordernd und aufregend. So hat er mir das Drehbuch zum letzten Film unter dem Birnbaum in meinem Garten vorgelesen. Danach nahm er sich für ein gemeinsames Essen in Maria Taferl Zeit. Bei ihm habe ich nie das Gefühl, zu spielen.

Sie spielten bei den Sommerspielen Melk die weiße Königin in Alice im Wunderland, leben mit Ihrem Mann in Artstetten. Was bedeutet der Begriff Heimat für Sie?

Maux: Ich bin Oberösterreicherin, ein Landkind. Jetzt bin ich zur Niederösterreicherin geworden und Artstetten wird immer mehr zu meiner Heimat. Ich liebe die Menschen, die Spaziergänge in der traumhaften Landschaft. Das Schloss ist allgegenwärtig und bildet eine wunderbare Kulisse. Ich bin froh, hier zu sein, und wenn ich einmal weg bin, will ich so schnell wie möglich wieder zurück nach Artstetten.

Sie geben Abende für jiddische Musik. Was gefällt Ihnen an der Musik und welche Botschaft vermittelt diese für Sie?

Maux: Ich liebe die jiddischen Lieder, weil sie so zu Herzen gehen! Das spüren auch die Menschen. Bei meinem letzten Auftritt in Lackenbach erzählte mir Ex-Bundeskanzler Vranitzky, dass ich seine Seele berührt habe. Diese Lieder vereinen Humor und Traurigkeit. Die Sprache ist so zärtlich und die Melodien sind mitreißend elementar und unendlich wehmütig.

Welche künftigen Projekte in Ihrer Schauspielkarriere stehen an?

Maux: Pläne gibt es einige, man soll aber nicht darüber sprechen, bevor es nicht fix ist. Also drücken Sie mir die Daumen! Fix ist, dass ich im Sommer in Perchtoldsdorf in Onkel Wanja die Amme spiele. Daneben bin ich in einer Kurzgeschichte von Stephen King unter der Regie von Patrick Haischberger mit Thomas Stipsits dabei.