Glaubensbrüder wählen neuen Abt. Wenn Mitte September die Glocken des Stiftes erklingen, haben 28 Ordensbrüder ihr neues Oberhaupt gewählt.

Von Markus Glück. Erstellt am 20. September 2019 (04:52)
Stift Melk
Die Mitglieder des Konvents wählen aus ihrer Mitte den neuen Abt des Stiftes Melk. Nach der Wahl geloben sie ihm die Gefolgschaft.

Alle zwölf Jahre wählt der Konvent des Stiftes Melk einen neuen Abt, zuletzt war dies im Oktober 2013 der Fall. Der Zwölf-Jahres-Zyklus wird Mitte September unterbrochen.

Grund dafür ist der nahende 70. Geburtstag von Abt Georg Wilfinger, der aber weiterhin für die Aufgabe bereit wäre. „Erreicht ein Abt vor dem Ende der Wahlperiode seinen 70. Geburtstag, muss früher gewählt werden. Das war auch bei Abt Burkhard der Fall, der danach nicht mehr zur Verfügung stand“, erklärt Pater Prior Christian Blauensteiner, der die Abt-Wahl vorbereitet und der NÖN einen Einblick in den Wahlgang bot.

Rund 520 Ordensangehörige wählbar

Wahlberechtigt sind 28 Benediktiner, wählbar sind aktuell rund 520 Ordensangehörige des Stiftes. Die Voraussetzungen sind ein Mindestalter von 30 Jahren, die Priesterweihe und eine mindestens siebenjährige Profess sowie ein guter gesundheitlicher Zustand und die Bereitschaft für das Amt. Den Wahlvorgang überwacht nach einem Gottesdienst ein Wahlpräsidium aus drei Personen unter dem Vorsitz von Abt Johann Perkmann, Abtpräses der Österreichischen Benediktinerkongregation und Abt der Benediktinerabtei Michaelbeuern.

Anders als bei weltlichen Wahlgängen gibt es bei der Abtwahl keinen vorgefertigten Stimmzettel, wo ein Kandidat angekreuzt werden kann. „Die Mitbrüder erhalten einen Zettel mit allen Namen der Wahlberechtigten außer ihrem eigenen. Danach müssen sie in einer Wahlurne den Namen des gewünschten Abtes heraustrennen. Der restliche Zettel wird vernichtet“, berichtet Blauensteiner. Erreicht eine Person die absolute Mehrheit, gilt diese als neuer Abt, möglich sind allerdings bis zu fünf Wahlgänge. „Nach dem Wahlvorgang müssen die Mitbrüder in der Stiftskirche bekunden, ob sie den neuen Abt als solchen akzeptieren“, erzählt Blauensteiner.

Zwar steigt nach einer Abtwahl nicht wie bei der Papstwahl weißer Rauch auf, die Bevölkerung wird aber durch ein Glockenläuten auf die vollbrachte Wahl aufmerksam gemacht.