130 Jahr-Jubiläum: „Es braucht SPÖ mehr denn je“. Die Sozialdemokratie feiert ihr Jubiläum. Die Partei hat schon bessere Zeiten erlebt. Wie sieht die Basis die Zukunft?

Von Markus Glück und Tanja Horaczek-Gasnarek. Erstellt am 15. Januar 2019 (04:00)
SPÖ NÖ, Wegerbauer
Günther Sidl, SP-Bezirksgeschäftsführer

Rochaden bei der SP-Spitze, hohe Wahlverluste und Kritiker in den eigenen Reihen. Die Roten haben es derzeit schwer. Welche Wege führen zurück zu den Wählern?

„Wir sind noch lange nicht in der Versenkung verschwunden. Die SPÖ ist wichtiger denn je. Vor allem, wenn die Opposition den Sozialstaat massiv rückbaut“, sagt SP-Bezirksgeschäftsführer und Landtagsabgeordneter Günther Sidl. Er ist der Meinung, dass gerade jetzt die Roten gebraucht werden. „Die Sprache verroht. Die Bevölkerungsgruppen werden gegeneinander ausgespielt und es wird Sündenbockpolitik betrieben“, ärgert sich der Petzenkirchner. Sein Ziel ist, dass er im Bezirk gemeinsam mit den Unterstützern den Reformkurs fortsetzen wird. „Die Organisation muss immer auf der Höhe der Zeit sein“, wünscht sich Sidl. Und den Menschen soll Sicherheit durch soziale Absicherung gegeben werden.

wahldatenbank.at/Wikipedia.org; Fotos: SPÖ; NÖN-Grafik: Bischof

So sieht es auch der Melker Stadtparteichef Jürgen Eder: „Wir sind der soziale Kit in der Gesellschaft, in der sich nicht alles um Migration dreht. Das Thema ist wichtig, darf aber nicht Themen wie etwa günstiges Wohnen oder Soziales überdecken.“ Eder betont die gestaltende Rolle der SPÖ in den einzelnen Gemeinden: „Unser Hauptproblem in den letzten Jahren war, dass wir keine klaren Antworten auf die Probleme gegeben haben.“ Für die Zukunft wünscht er sich eine Linie und weniger „Wischi-Waschi-Kurs“. Eder: „Rendi-Wagner macht und tut, es braucht abernoch ein paar Entstaubungsmaßnahmen auf allen Ebenen.“

privat
Anton Gruber ist SP-Bürgermeister in Marbach.

„Wenn man sieht, was die ÖVP in den letzten Tagen wieder präsentiert hat, zeigt sich, wie stark die SPÖ benötigt wird“, glaubt Bezirkschef-Stellvertreter und Ybbser Bürgermeister Alois Schroll. Im Zusammenhang mit der zuletzt vorgestellten Steuerreform wünscht sich Schroll nicht nur eine Entlastung der Unternehmer, sondern auch der Arbeitnehmer: „Die SPÖ ist immer für die arbeitende Bevölkerung da. Diese Rolle üben wir seit Jahrzehnten aus.“

In dieses Horn bläst auch Anton Gruber, SP-Bürgermeister der Gemeinde Marbach an der Donau: „Die SPÖ ist ein Garant dafür, dass soziale Gerechtigkeit nicht zu einem Schlagwort verkommt.“ Als Gründe für einen Wählerrückgang sieht er die Pattstellung in der alten Koalition. Die Sozialdemokraten konnten ihre Themen nicht umsetzen. „Die Wähler müssen wieder erreicht werden“, meint Gruber. Wenn es um die Zukunft der Partei geht, wünscht sich Schroll weniger Diskussion in der Öffentlichkeit. „Man kann im Wohnzimmer über alles diskutieren, aber nicht am Balkon. Wir müssen mit einer Meinung sprechen“, betont Schroll.

„Parteiarbeit ist eine Knochenarbeit“

Gleiß
Christa Kranzl war für die SPÖ Staatssekretärin unter Bundeskanzler Gusenbauer.

Eine ganz klare Meinung zum Debakel in der SPÖ hat die ehemalige SP-Staatssekretärin Christa Kranzl: „Mir fehlen die Idealisten. Es werden nur die eigenen Bedürfnisse in den Vordergrund gestellt.“ Im Bezirk, meint die Unternehmensberaterin, gibt es ein Wahrnehmungsproblem. „Einzelakteure haben hier keinen Platz, es sollte ein Team geben“, meint Kranzl. Sie vermisst die alte Schule, wo noch Hausbesuche stattfanden. „Parteiarbeit ist Knochenarbeit“, weiß sie. Nichtsdestotrotz ist sie sich sicher, dass die Zeit der SPÖ wieder kommen wird.

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