50 Jahre im Dienste des Nikolos. Er lässt Kinderaugen leuchten und sorgt dafür, dass Träume wahr werden: Willi Heinzl alias Heiliger Nikolaus.

Von Tanja Horaczek-Gasnarek. Erstellt am 03. Dezember 2019 (04:55)
Nikolaus Willi Heinzl bringt die Kinderaugen beim Melker Advent zum Leuchten.
Stadtgemeinde/Franz Gleiß

„Grüß‘ euch Gott ihr Lieben, die Zeit ist gekommen – der Nikolaus kommt in euer Haus.“ Wenn das Melker Urgestein Wilhelm Heinzl rund um den 6. Dezember in die Bischofsrobe schlüpft, sich den langen Bart anlegt und mit seinen Helfern Kinderaugen zum Leuchten bringt, dann ist Nikolo-Zeit.

Heuer ist auch eine besondere Zeit für Heinzl, denn das 50-Jahr-Jubiläum steht ins Haus. „Meine Karriere als Nikolaus begann unerwartet“, schwelgt er in Erinnerung. Sein damaliger Freund an der HTL Waidhofen an der Ybbs hatte sich den Fuß gebrochen, so musste er mit 18 Jahren als Nikolo einspringen. „Ich bin ins kalte Wasser geworfen worden. Aber mittlerweile weiß ich, worauf es ankommt“, lacht Heinzl. Aus dem einstigen Krampus ist ein stadtbekannter Nikolaus geworden. In Melk führte er den elterlichen Betrieb, einen Supermarkt, fast 20 Jahre lang. Jetzt ist er in Pension. Doch in der Adventszeit ist er gut gebucht. „Ich bin bei Familien, Schulen, Kindergärten und Betriebe zu Besuch im Bischofsgewand“, freut sich Heinzl.

 „Wir fuhren mit dem Gespann weg und der Wagen brach auseinander. Der Nikolo legte eine Bruchlandung hin“ Willi Heinzl, Melk

 Seit über 30 Jahren tritt der ehemalige Geschäftsmann auch im Auftrag der Stadtgemeinde als Nikolaus auf. „Der schönste Moment ist dann gekommen, wenn in den zunächst oft skeptischen Kindergesichtern ein Leuchten in den Augen aufblitzt“, erzählt der vierfache Großvater über seine Auftritte. Was ihm die Zeit gelehrt hat ist, dass es wichtig ist, sich dem Kind zu widmen. „Ein feinfühliger und respektvoller Umgang ist das A und O“, stellt er fest.

Die Krampusse sind bei ihm immer dabei. „Sie sind ja die Helfer vom Nikolo. Aber, wenn ein Kind weint, dann heißt es ‚Rückzug‘ für die finsteren Gesellen“, erklärt Heinzl. Aber nicht nur Kinder fürchten sich vor den Krampussen. „Einmal kamen wir einen Tag zu früh zu einem Haus und der Helfer läutete. Als eine Frau die Tür öffnete, schlug sie diese sofort wieder zu, weil sie sich so geschreckt hat“, plaudert er aus dem Nähkästchen. Erst einmal sei es ihm in all den Jahren passiert, dass ein Kind kein gefülltes Sackerl von ihm annehmen wollte. „Dieses Kind hat sich dann aber von einem Krampus beschenken lassen“, berichtet Heinzl lächelnd. Erlebt hat der 68-Jährige als Nikolaus schon so manches.

 Brauchtum bekam wieder Aufwind

 In den 1970ern zog er auf einer Kutsche durch die Stadt. Auch dazu gab er eine witzige Episode zum Besten. „Wir fuhren mit dem Gespann weg und der Wagen brach auseinander. Der Nikolo legte eine Bruchlandung hin“, grinst Heinzl. Einmal wurde er bei seinem Rundgang von 55 Krampussen begleitet. Bei einer Großveranstaltung wie beim Melker Advent ist es noch kniffliger als bei Hausbesuchen. „Jedes Kind soll das Gefühl bekommen, dass der Mann mit dem Bart jetzt nur Zeit für ihn hat“, berichtet er.

Was Heinzl besonders freut ist, dass in den letzten Jahren dieser Brauchtum wieder Aufwind bekommen hat. Selbst nach 50 Jahren im Dienst ist Nikolaus-Sein kein 08/15-Job. „Wenn ich in die Augen der Kinder blicke und ihre Freude sehe, dann berührt es mich nach wie vor“, freut er sich. Aber auch für ihn wird es bald Zeit seinen Stab weiterzugeben. „Mein Jubiläum genieße ich noch und dann schauen wir weiter.“

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