Alternativmedizin: Zwischen Humbug und Chance. Dass die Homöopathie aus Apotheken verschwinden soll, schlägt Wellen. Die Wiener Patientenanwältin Sigrid Pilz hat mit der Forderung, den Verkauf homöopathischer Arzneimittel in Apotheken zu verbieten, für Aufregung gesorgt. Diese Mittel seien nicht wirksam, begründet Pilz ihre Aussage. Die NÖN fragte Mediziner und Apotheker im Bezirk, was sie darüber denken.

Von Denise Schweiger, Markus Glück und Michael Bouda. Erstellt am 11. Dezember 2018 (04:12)
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Die einen schwören darauf, die anderen halten sie für puren Hokuspokus: Die Homöopathie hat sich mittlerweile zu einer regelrechten Glaubensfrage entwickelt. Dass sie künftig aus den Apothekerregalen verschwinden soll, sorgt demnach für unterschiedliche Reaktionen.

„Mit dem Verbot spricht man den Leuten die Mündigkeit ab“, schüttelt Doris Parich den Kopf. Die Apothekerin arbeitet in der Lebensfreude-Apotheke in Pöchlarn – Schüßler Salze, Homöopathie oder Aromatherapie gehören zu den alternativmedizinischen Schwerpunkten des Pharmaziegeschäfts. „Unsere Aufgabe ist es, den Menschen zu helfen. Dass es dabei mehrere Wege als nur die klassische Schulmedizin gibt, erhöht doch die Wahrscheinlichkeit, ein für den Patienten wirksames Mittel zu finden“, ist Parich wichtig, den Menschen bei Behandlungen als Ganzes zu sehen.

„Für mich ist es Humbug, wenn ein Schulmediziner Homöopathie verschreibt, wenn es um lebensbedrohliche Krankheiten geht.“Gerhard Schörgenhofer, Arzt

Ein Verbot in den Apotheken sowie die Tatsache, dass die Med-Uni Wien die Homöopathie-Kurse aus dem Lehrplan strich, hält sie für eine verpatzte Chance. „Ich kenne viele, die Globuli und anderen Mitteln skeptisch gegenüberstanden. Dann haben sie es einfach einmal probiert – und sich selbst vom Gegenteil überzeugt“, argumentiert Parich.

Auch in den Regalen der Ybbser Apotheke LuksLife finden sich homöopathische Mittel. „Man kann diskutieren, ob Globuli wirken oder nicht. Tatsache ist, dass sie bei Kleinkindern gewisse Effekte erzielen“, meint Florian Luks. Er betont aber auch, dass es Grenzen bei der Anwendung gibt, etwa, wenn statt einer Zeckenimpfung lieber zu FSME-Globuli gegriffen wird. Für ihn macht es nur Sinn, wenn die Schulmedizin mit der Homöopathie kombiniert wird. Von einem Verbot in Apotheken warnt der Apotheker: „Wir bieten Arzneiqualität nach gewissen Regeln. Gibt es hier ein Verbot, treibt man die Menschen zu jedem, der ein paar Stunden einen Wochen- endkurs zum Thema besucht hat.“

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Gerhard Schörgenhofer, praktischer Arzt in der Stadtgemeinde Mank, ist zwar nicht prinzipiell gegen Homöopathie, verweist aber auf die fehlenden wissenschaftlichen Erkenntnisse, die eine Wirkung belegen würden. „Homöopathie ist wissenschaftlich nicht erwiesen, es gibt keine Studien. Wenn ein Medikament auf den Markt kommen soll, wird es getestet, es gibt eine wissenschaftliche Basis, wie es wirkt. Dahingehend betrachtet hat Homöopathie keine Grundlage.“

Dementsprechend begrüßt er ein Umdenken auch in Sachen Ausbildung: „Ich glaube, dass es aufgrund mangelnder wissenschaftlicher Basis fair vonseiten der Schulmedizin ist, dass man keine Kurse zu Homöopathie mehr anbietet.“

Schörgenhofer hat zwar keine Einwände, homöopathische Mittel beispielsweise bei einem grippalen Effekt zu verwenden. Wenn es sich um Krankheiten wie Krebs handelt, sieht er aber eine Grenze überschritten: „Ich würde es als Humbug bezeichnen, wenn ein Schulmediziner homöopathische Mittel bei Krankheiten verschreibt, die lebensbedrohlich sein können.“

Schörgenhofer mit Blick auf die fehlenden wissenschaftlichen Erkenntnisse: „Eigentlich ist es ein Wunder, dass so etwas so lange so beliebt war.“

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