Bauernbund-Präsident:„Bauern als stille Helden“. Bauernbund-Präsident Georg Strasser spricht über den Wert der heimischen Landwirte und die Strukturprobleme in ländlichen Regionen bei der Datenübertragung.

Von Markus Glück. Erstellt am 08. April 2020 (03:23)
Ungewohnte Situation: Georg Strasser führt den Großteil seiner Gespräche per Videokonferenz oder Telefon.
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Der Nöchlinger Georg Strasser ist Bauernbund-Präsident und Nationalratsabgeordneter. Mit der NÖN spricht Strasser über die Chancen der Krise, Home-Office und die Situation der Landwirte in der Krise.

Durch ihre Doppelfunktion sind Sie normalerweise viel unterwegs. Wie lässt sich der Arbeitsalltag von zu Hause bewältigen?

Georg Strasser: Mein Arbeitsplatz ist jetzt grüner und auch enger mit der Familie verbunden. Früher habe ich am Institut für Nachhaltigkeit in Yspertal gearbeitet. Seit dieser Zeit bin ich es gewohnt, Videokonferenzen zu nutzen.

Gerade im südlichen Waldviertel fehlt oftmals eine schnelle Internetverbindung. Auch in ihrem Heimatort gibt es Handyempfangs- und Internetprobleme. Welche Ansätze benötigt es hier für die Zukunft?

Strasser: Glasfaseranschluss und damit schnelles Internet sind heute Voraussetzung für Lebensqualität und wirtschaftlichen Erfolg. Wenn Unternehmen in ländlichen Regionen gleiche Bedingungen vorfinden, tun wir uns, mit der Abwanderungsproblematik leichter. Wie schnell sich Dinge ändern können, wird uns gerade vor Augen geführt.

„Der Schlüssel kann nur ein ehrlichesMiteinander sein. Ob in der Direktvermarktu ng oder vor dem Supermarktregal.“Georg Strasser

Während viele im Home-Office sind, geht die Arbeit für die Bauern normal weiter. Wie bewältigen die Landwirte die Krise?

Strasser: Ich habe oft gesagt, die Bauern sind die stillen Helden der Coronakrise. Neben all den Ärzten, Kassiererinnen, Fleischern und Lastwagenfahrern und vielen mehr sind es gerade auch die Bauern, die das System am Laufen halten. Wir hoffen, dass uns die Konsumenten dadurch langfristig die Treue halten. Natürlich wird es aber auch für die Bauern an allen Fronten härter, deshalb gibt es für betroffene Betriebe seitens des Bundes auch wichtige finanzielle Hilfen.

NÖN

Durch die Krise rückt der Bauer wieder mehr als wichtiger Lebensmittelproduzent in den Mittelpunkt. Hat es die Krise gebraucht, um der Bevölkerung die Wichtigkeit der Landwirtschaft zu erläutern?

Strasser: Ich tu mir schwer, dieser Krise etwas Positives abzugewinnen. Aber ja, die Landwirtschaft erfährt plötzlich mehr Aufmerksamkeit. Die Krise ist aber auch Chance, sich über billige Lebensmittelimporte Gedanken zu machen. Die heimischen Bauernfamilien sind verlässliche Partner. Nach der Krise muss aber über eine Systemänderung nachgedacht werden.

Vor welche Herausforderung stellt die Coronakrise die Bauern? Strasser: Gastronomie und Hotellerie sind als Abnehmer für bäuerliche Produkte auf einen Schlag weggefallen. Produktpreise fallen, während Produktionskosten steigen. Beim Rindfleisch und beim Holz wird es dramatisch. Der Härtefallfonds kann von Vollerwerbs- genauso wie von Nebenerwerbsbauern beansprucht werden. Zudem wird es für Betriebe, einen Corona-Hilfsfonds und weitere Initiativen seitens des Landwirtschaftsministeriums geben.

Derzeit werden tausende Erntehelfer gesucht – welche Probleme drohen der Landwirtschaft in der Erntezeit?

Strasser: Aufgrund der Grenzschließungen können viele ausländische Arbeitskräfte aktuell nicht nach Österreich einreisen. Das betrifft die Pflege, die Fleischverarbeitung und die Land- und Forstwirtschaft. Die neu initiierte Plattform www.dielebensmittelhelfer.at soll nun Arbeitssuchende an Betriebe vermitteln.

Selbstbedienungs- und Hofläden boomen derzeit. Ist die Coronakrise auch eine Chance für die Bauern?

Strasser: Die Krise macht uns den Wert vom Bauern ums Eck viel stärker bewusst. In meiner Funktion als Bauernbund-Präsident werde ich alles daransetzen, dass sich Bauern und Konsumenten auch nach der Krise gegenseitig Vertrauen schenken.