Coronavirus: Das Spiel mit den Zahlen. Infektionszahlen, Todesfälle, Genesene: Die Coronakrise wird oft in Zahlen gegossen. Und das kann mehr verwirren, als Klarheit zu schaffen. Ein „Entwirrungsversuch“für den Bezirk Melk.

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www.invenium.io/A1; Foto: eva_blanco/Shutterstock.com; NÖN-Grafik: Bischof

Wer die Coronazahlen Woche für Woche beobachtet, weiß: Die Krise um das Virus bringt einen wahren Zahlen-Dschungel mit sich. Das zeigt sich allein schon bei der NÖN-Recherche um die Gesamtanzahl der Coronafälle im Bezirk Melk seit dem Ausbruch der Pandemie.

Zwei Quellen, zwei unterschiedliche Angaben: Das Gesundheitsministerium verzeichnet etwa zum Redaktionsschluss am Montag 168 Fälle – fünf weniger als die Bezirkshauptmannschaft Melk (BH). Laut BH waren 173 Menschen Covid-positiv. Auf die aktuelle Einwohnerzahl des Bezirks von 77.585 Personen gerechnet entspricht das 0,2 Prozent.

Der Grund für die Differenz ist der Berechnungsvorgang. In der Statistik der BH werden etwa auch Zweitwohnsitzer in den Gemeinden hinzugezählt.

Schwer einordnen lässt sich auch die Zahl der Genesenen. Laut der BH haben 136 Personen der 173 Coronafälle das Virus überstanden. Nachgefragt bei allen 40 Gemeinden zeigt sich, dass die Bürgermeister nur über die offiziellen Neuinfektionen vonseiten der BH informiert werden. Hat ein Gemeindebürger die Krankheit hinter sich, wird das nicht gemeldet.

„Es geht in die richtige Richtung, wir haben nur mehr alle paar Tage neue Fälle“, gibt Bezirkshauptmann Norbert Haselsteiner Einblick in die Statistik. Aktuell die meisten aktiven Covid-19-Fälle gibt es in Melk. NÖN-Recherchen zeigen, dass in vielen Gemeinden des südlichen Waldviertels gar keine Coronafälle bekannt sind. Einen deutlichen Rückgang gibt es auch bei der häuslichen Quarantäne: Waren es zu Spitzenzeiten mehr als 500 Personen, die ihr Zuhause nicht verlassen durften, sind es jetzt knapp über 180 Personen.

Deutliche Veränderungen gibt es bei der Mobilität der Menschen im Bezirk (siehe Grafik).