Der Ofen bleibt kalt: Verschärfte Situation in Gastronomie

Erstellt am 10. August 2022 | 04:43
Lesezeit: 3 Min
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Im Ybbser „Der gute Fang“ und in der „fischbar“ wurden aufgrund der Personalknappheit die Öffnungszeiten reduziert.
Foto: Mato Johannik
Fehlendes Personal und Teuerungen sorgen in Betrieben im Bezirk Melk für verkürzte Öffnungszeiten und dezimierte Speisekarten.

Personalmangel gibt es in der Gastronomie schon lange. Doch die Folgen der Pandemie und die aktuellen Preisentwicklungen verschärfen die Situation. Die Konsequenz: Viele Betriebe verkürzen ihre Öffnungszeiten und dezimieren das Angebot. Auch Gastronomin Hannah Neunteufel – seit dem Vorjahr betreibt sie ihre Lokale „Der gute Fang“ und die „fischbar“ in der Ybbser Stadthalle – setzte zuletzt Maßnahmen.

Mit August stellte „Hannahs Speisesaal“ in Wien den Betrieb ein. „Aus freien Stücken“, wie die Gastronomin betont: „Da wir in unseren Unternehmungen digitale Buchhaltung haben, also auf Knopfdruck die aktuellen Zahlen sehen, erkenne ich schnell, wohin die Reise geht, und kann deshalb auch schneller reagieren als viele andere.“ Die aktuell schon „horrenden Preisentwicklungen und immensen Personalthemen“ hätten ein wirtschaftliches Arbeiten in diesem Segment nicht mehr möglich gemacht. Man konzentriere sich jetzt auf die Kerngeschäfte: „Eventplanung, Catering und die High-End-Gastronomie.“ Und damit auch auf die Betriebe in Ybbs. Wobei hier ebenfalls Maßnahmen notwendig waren.

Aufgrund der Personalknappheit hat „Der gute Fang“ – bereits seit April – nur mehr drei Tage die Woche geöffnet, die „fischbar“ an vier Tagen. Dennoch: „Wir sind sehr zufrieden mit der Entwicklung unserer Gastronomie in Ybbs! Allgemeine Tendenz: stark steigend“, gibt Neunteufel Einblick. Drei Stellen seien aktuell in ihren Ybbser Gastro-Betrieben offen. Mario Pulker, Österreichs Wirtesprecher und Inhaber des Hotel Residenz Wachau in Schönbühel-Aggsbach, sucht hingegen aktuell zehn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. „So viele wie noch nie“, sagt er.

Besserung in der Branche nicht so schnell in Sicht

Auch Pulker verkürzte in seinem Betrieb zuletzt die Öffnungszeiten, adaptierte die Speisekarte. „Diese Schritte sind aktuell in ganz Österreich und in sämtlichen Betrieben zu beobachten“, erläutert er.

Besserung sei laut Pulker nicht so schnell in Sicht: „Die Betriebe müssen ihre Konzepte überarbeiten, man wird in Zukunft schlichtweg nicht alles anbieten können.“ Auf heimisches Personal brauche man laut dem Wirtesprecher nicht setzen: Einen Weg aus der „Mitarbeiterkrise“ sieht er in Arbeitskräften aus dem Ausland: „Wir fordern ein Öffnen der Drittstaaten.“ Der immer wieder kritisierte Kollektivvertrag in der Hotellerie und Gastronomie spiele für ihn so gut wie keine Rolle beim Mitarbeitermangel. Es sei bereits großteils gelebte Praxis, dass man dem Personal mehr zahlt.

Geht es nach Gastronomin Neunteufel, ist der Kollektivvertrag tatsächlich nicht das Problem. „Sondern die allgemeinen Abgaben der Löhne. Ob Lohnabgaben, Krankenversicherung oder Kommunalsteuern“, verweist sie darauf, dass die Kosten für die Unternehmen bei Mehrverdienst rasant nach oben gehen. Darauf angesprochen gibt Pulker zu bedenken: „Eine Lohnnebenkostensenkung nur für die Gastronomie wäre gleichheitswidrig.“