Ernte 2020: Schwere Zeiten für die Bauern. Trockenheit, Hagel und Überschwemmungen – die Wetterkapriolen gefährden die Frucht der Landwirte im Bezirk.

Von Tanja Horaczek-Gasnarek. Erstellt am 01. Juli 2020 (05:46)
Stefan Bruckner aus Hürm hat seinen Mähdrescher schon startklar für die Ernte gemacht. Jetzt muss nur noch das Wetter mitspielen. Foto: Horaczek-Gasnarek
Horaczek-Gasnarek

Sie kommen vom Regen in die Traufe: die Landwirte im Bezirk. Nicht nur die Coronakrise trifft die bäuerlichen Betriebe, sondern auch die Wetterkapriolen. Das Jahr begann viel zu trocken, dafür war in den vergangenen Wochen zu viel Regen.

„Dieses Jahr wird herausfordernd für uns“

Das Wetter wirkt sich unterschiedlich auf die verschiedenen Kulturarten aus. „Dieses Jahr wird herausfordernd für uns“, bekräftigt Landwirtin Marianne Butzenlechner aus Texing. Die extreme Trockenheit und Kälte zu Beginn haben dem Mais geschadet. „Doch dann war es zu nass und er ist regelrecht abgesoffen“, erklärt Butzenlechner.

Die zwei Äcker mit Mais waren heuer ein Versuch, sonst hat sie fast nur Grünland. Doch auch hier gibt es Probleme. „Die Wiesen sind zu feucht. Wir können mit den Maschinen nicht reinfahren – wir bringen das Gras nicht weg“, seufzt die Bäuerin.

Doch sie ist guter Dinge, dass sie doch heuen können, sobald die Temperaturen steiben. Probleme mit der Ernte gab es schon die letzten Jahre. „Im Vorjahr mussten wir für unsere 40 Kühe und knapp 100 Jungtiere Futter um 20.000 Euro zukaufen. Das sollte sich heuer nicht wiederholen“, hofft Butzenlechner.

Markus Brankl, der in Maria Taferl Grünland und Ackerbau betreibt, macht die Wettersituation ebenfalls zu schaffen. „Doch eine alte Bauernweisheit sagt: Ein Schaltjahr ist anders“, betont Brankl. Die Monate März und April waren einfach zu trocken. Da hatte er auch mit dem Grundwasser zu kämpfen. Ebenfalls wirkt sich das Wetter auf die Schädlinge aus. Der Drahtwurm konnte sich gut entfalten. „Er frisst sich durch unsere Maisfelder“, klagt Brankl.

„Können in die Äcker nicht reinfahren“

Doch er sieht das folgende Jahr noch drastischer, wenn die Beize für den Mais nicht mehr erlaubt ist. „Da kann sich der Wurm noch mehr ausbreiten“, betont der Bauer.

Stefan Bruckner aus Hürm hat, was die Ernte betrifft, die Flinte noch nicht ins Korn geworfen. Der ambitionierte Jungbauer und Landjugendleiter hat auf den Feldern Gerste, Weizen, Mais und Ölkürbis stehen. „Die Unwetter haben uns schon auch betroffen, aber nur auf gewissen Äckern“, erzählt er.

Doch er hat sich beim Anbauen auf das Wetter eingestellt. „Wenn es mit dem Regen so weiter geht, können wir nicht heuen und die Gerste nicht so ernten, wie sie sein soll“, berichtet er. Mit den schweren Maschinen können sie in die Felder nicht rein, der Lehmboden braucht länger zum Austrocknen.

Bezirksbauernbund-Obmann Johannes Zuser kennt die Sorgen der Landwirte. Die Regionen sind unterschiedlich in Mitleidenschaft gezogen worden. „Für Weizen und Gerste hat es nicht so grobe Auswirkungen, jedoch für das Grünland wie im südlichen Waldviertel war es zu jedoch spät“, weiß Zuser. Auch die Erdbeer-Ernte war heuer schlecht. Hagel und Muren setzten den Bauern zu. Betroffene aus den Überschwemmungsgebieten können etwas beim Katastrophenfond einreichen.

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