Fastenzeit: Die Qual mit dem Hungern. Fasten liegt im Trend. Vor allem in den sieben Wochen vor Ostern entdecken immer mehr die neue Lust am Darben.

Von Tanja Horaczek-Gasnarek. Erstellt am 25. Februar 2020 (04:13)
Dieter Schewig

40 Tage kein Fleisch essen – so bereitete man sich einst nach alter Tradition auf das Osterfest vor. Ohne Genussmittel wie Schokolade, Kaffee oder Alkohol auskommen, eingefleischten Gewohnheiten wie Computerspielen, Shoppen oder Rauchen abschwören oder bei mehr oder weniger abgespecktem Speiseplan darben – so üben sich heute immer mehr Menschen in, aber auch außerhalb der Fastenzeit in Verzicht.

Fasten ist angesagt. Über die Gründe dafür lässt sich spekulieren: Fastentrainerin Anita Fichtinger glaubt, dass es am neuen Bewusstsein für sich und seinen Körper liegt. „Ernährung und Wohlbefinden liegen im Trend. Die Fastenzeit ist für viele ein Grund sich im Verzicht zu üben“, weiß sie. Die passionierte Ernährungsberaterin hat das Thema schon von mehreren Seiten beleuchtet. Fichtinger begleitet seit 2002 wochenlang Gruppen beim Fasten. Im Hotel Schachner in Maria Taferl ist dieses Fastenprogramm schon seit Jahren ein fixer Bestandteil.

„Meine Kurse sind gut besucht. Und das Interesse steigt von Jahr zu Jahr mehr an“, erläutert Fichtinger. Vor allem das Basenfasten wird gerne angenommen. Hier darf man Nahrung zu sich nehmen. Aber zu bestimmten Uhrzeiten. Dies hilft dem Körper sich zu Entsäuern. „Wichtig ist, dass zwischen den Mahlzeiten Pausen liegen. Damit der Körper gut arbeiten kann“,erklärt sie. Fichtinger bietet zusätzlich Meditation und Yoga an. „Es ist wichtig sich und seinen Körper kennenzulernen und Zeit für sich selbst zu nehmen“, weiß die Fastentrainerin.

„Wenn der Heißhunger zu groß ist, dann ist ein Löffel Honig erlaubt. Er ist ein toller Energielieferant.“Anita Fichtinger, Fastentrainerin

Fasten kann anstrengend sein. Vor allem für Leute, die dies zum ersten Mal machen. „Ich rate jedem von einer radikalen Kur ab. Wer sich quält, wird nicht glücklich werden. Und es soll einem ja helfen und nicht deprimieren“, stellt Fichtinger klar. Fasten darf – laut ihr – auf keinem Fall Angst machen. „Schon alleine die Vorstellung nichts essen zu dürfen, lähmt den Prozess. Daher sollte die Zeit mit einem positiven Gefühl einhergehen“, meint Fichtinger.

Wer rein abnehmen will, sollte sich ebenfalls nochmal mit dem Thema auseinandersetzen. Das Intervallfasten hält die Heilpraktikerin auch für sinnvoll. Anders ist es beim Heilfasten. Hier besteht der Hauptteil aus Brühen oder Suppen. „Diese Variante ist für viele sehr schwierig und daher schwer durchzuhalten“, sagt sie.

Und wenn das Gefühl des Heißhungers kommt, hat Fichtinger einen Geheimtipp: Honig. „Ein Löffel ist erlaubt und ein toller Energielieferant“, schwört sie. Was ihr in den letzten Jahren aufgefallen ist, ist das auch Männer jetzt offener für Fasten sind. Ganz wichtig findet es Fichtinger, wenn sich jemand vor einer Fastenkur Rat holt oder in ein Fastenhaus oder Fastengruppe geht. „Es können doch auch Nebenerscheinungen wie Kopfschmerzen, Übelkeit oder Schwindel auftreten. Das sollte auch bedacht werden“, merkt sie an.

Bei der Familie Schachner wird auch seit Jahren das Fasten praktiziert. Michaela Schachner setzt auf die reinigende Wirkung und ihre Schwiegertochter Marie ebenso. „Seit fünf Jahren faste ich einmal im Jahr eine Woche. Es entschlackt den Körper und man bekommt einen ‚restart‘“, schwört Schachner.

40 Tage – Verzicht üben und sich auf das Wesentliche besinnen. Pater Martin Rotheneder erzählt wie im Stift Melk die Fastenzeit abläuft: „Das Fasten wird hier niemanden vorgeschrieben. Jeder wählt seine eigene Art.“ Jeden Tag zur Jausenzeit gibt es Leberkäse und dieser ist sehr verlockend für den Pater. „Aber in der Fastenzeit erfreue ich mich rein am Duft dieser Köstlichkeit“, lacht der Pater.

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