ÖVP-Listenerstellung: Blauensteiner "kein Platzhalter“. Verärgerung herrscht bei Bevölkerung und anderen Parteien über Wahlkreis-Listenerstellung der ÖVP. VP-Bezirksobmann Karl Moser verteidigt das Vorgehen.

Von Markus Glück. Erstellt am 02. Juli 2019 (06:08)

Etliche Reaktionen löste die Listenerstellung der ÖVP für die Nationalratswahl im September im Wahlkreis 3c aus. Wie von der NÖN berichtet, nominierte die ÖVP Bezirksgeschäftsführerin Andrea Blauensteiner als Listenzweite. Die Leibenerin erklärte aber gleich nach der Wahl, auf ihr mögliches Mandat zu verzichten, um den beiden aktuellen Abgeordneten Georg Strasser und Andreas Hanger nicht im Wege zu stehen.

Grund für das Vorgehen: Auf Wunsch von Alt-Bundeskanzler Kurz soll die Listenerstellung anhand des Reißverschlussprinzips Mann-Frau erfolgen. Schafft die ÖVP einen Wahlerfolg wie 2002 und erobert im Mostviertel ein drittes Mandat, will Blauensteiner dieses allerdings auch annehmen.

Von einer Farce und einer Wählertäuschung sprachen viele NÖN-Leser, die sich in der Redaktion meldeten. Und auch die politischen Mitbewerber bringen ihre Verwunderung zum Ausdruck.

Weiderbauer ortet Grabenkämpfe in ÖVP

SP-Spitzenkandidat Alois Schroll sieht ausgerechnet Niederösterreich als erstes Bundesland, dass das „System Kurz zum Wackeln“ bringt. „Ich finde es den Wählern gegenüber nicht fair. Normalerweise tritt man an, um etwas zu verändern, und nicht, um als Platzhalter zu fungieren“, wundert sich Schroll.

Grünen-Bezirkschef Emmerich Weiderbauer ist sich sicher, dass die Aufstellung von Blauensteiner nicht freiwillig passierte: „Jeder, der weiß, wie schlimm die Grabenkämpfe in der ÖVP sind, ist über so ein Vorgehen nicht verwundert.“ Kritik äußert er auch am „wenig fortschrittlichen Frauenbild der ÖVP“: „Wer für ein anderes Frauenbild ist, weiß, wo er das Kreuz machen muss.“

Von einem „nicht untypischen Sittenbild der ÖVP“ spricht der Blindenmarkter FP-Klubobmann Martin Huber: „Der Wähler wird darüber sein Urteil fällen.“

VP-Bezirksobmann Karl Moser verteidigt das Vorgehen gegenüber der NÖN. Der Wähler habe schließlich Strasser und Hanger vor mehr als einem Jahr mittels Vorzugsstimmen ein klares Votum gegeben, ähnlich sieht es Blauensteiner. „Andrea ist kein Platzhalter. Sie ist als Parteimanagerin ein politisch denkender Mensch, der gerne wahlkämpft.“