Lug und Trug mit Heilen. Ägypter (53) gab sich im Internet als „Geistheilerin“ aus und gibt vor Gericht teils zu, Frauen abgezockt zu haben. Bares soll er für Deutschkurs eingesackt haben. Prozess vertagt.

Von Claudia Stöcklöcker. Erstellt am 21. Januar 2019 (08:32)
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Symbolbild

Mit Schwindeln zog Amun M. (Name geändert) Menschen Geld aus der Tasche. Als Arzt gab sich der Ägypter (53) aus, sackte für die vermeintliche Eröffnung einer Praxis und die Heilung eines schwer Erkrankten Bares ein. Als falscher Diplomat kassierte er für Reisepässe und für ein vermeintliches Begräbnis. Strafen setzte es deswegen bereits. Nun wird dem 53-Jährigen wieder der Prozess gemacht.

Drei Frauen aus dem Bezirk Melk soll der Angeklagte abgezockt haben. Rund 54.000 Euro hoch ist der Schaden. Zum Betrug ist er großteils geständig. „Er hat immer einen Anzug getragen und ist Jaguar gefahren“, sagt das erste Opfer im Prozess am Landesgericht. Die 44-Jährige verliebte sich in den verheirateten Ägypter, gab ihm ihr Erspartes für die Investition in eine Mangoplantage und den Kauf von Edelsteinen.

„Er hat immer einen Anzug getragen und ist Jaguar gefahren.“ Vom seriösen Auftreten des mutmaßlichen Betrügers berichtet eine Zeugin im Prozess.

Genug war das nicht. Der Angeklagte sprang auf die Esoterik-Schiene auf, suchte via Mail Kontakt zu der Frau, gab sich im Internet als vermeintliches Medium und Geistheilerin aus.

Für eine fingierte Reise nach Kuala Lumpur zur Opferdarbringung floss Geld, weiteres Bares für Frau und Kinder eines bei dieser Reise verstorbenen Mannes, zur Beschwörung von Geistern, damit Investitionen Gewinn abwerfen, und für die Opferung zweier Stiere zur Heilung des vermeintlich homosexuellen Sohnes der Frau. Auch ein Auto kaufte sie ihm. „Die Geistheilerin hat mir geschrieben, dass ich verantwortlich bin für sie und ihr das kaufen soll“, so die Zeugin weiters. Als die 44-Jährige erkannte, wer hinter der Geistheilerin steckte, erstattete sie sofort Anzeige.

Das zweite Opfer stand nach einem Schicksalsschlag unter Schock und erhoffte sich Hilfe bei der vermeintlichen Heilerin. „Ich habe für ein Tieropfer bezahlt“, sagt diese Zeugin. 8.000 Euro habe man dann von ihr verlangt, „um Dämonen zu bannen, weil ich ihn Gefahr sei“. Das habe die Frau aber nicht mehr berappt.

Dem dritten Opfer versprach der 53-Jährige, es vor drohender Erkrankung zu schützen. Dafür verlangte er 500 Euro für Weihrauch, um „die Sterne zu beeinflussen“, so diese Zeugin.

Ob der Angeklagte, meistens bezog er Notstandshilfe, hierzulande jemals redlicher Arbeit nachgegangen ist? Er bejaht. „Ich weiß aber nicht mehr, was ich gemacht habe“, will er glaubhaft machen. Und fügt hinzu: „Ich habe eher doch nicht gearbeitet.“ „Entweder man arbeitet oder nicht. Da gibt es keinen Graubereich, das ist kein Multiple-Choice-Test!“, wettert darob der dem Schöffensenat vorsitzende Richter.

Dem 53-Jährigen wird auch vorgeworfen, Geld für einen Intensiv-Deutschkurs erschwindelt zu haben. Dazu soll noch ein Zeuge befragt werden. Im März wird der Prozess fortgesetzt.