Nachfolge am Landwirtschafts-Hof ist nicht fix. Beruf Bauer vom Aussterben bedroht: Wer seinen Hof erhalten will, muss Alternativen suchen oder massiv investieren.

Von Tanja Horaczek-Gasnarek. Erstellt am 22. Oktober 2019 (04:10)
privat
Josef und Silke Dammerer in ihrem Hofladen in Ybbs. Sie haben sich eine Nische gesucht und sind glücklich über ihre Entscheidung. privat

Schachmatt für die Landwirtschaft? Viele Betriebe stehen vor schwierigen Entscheidungen: Weitermachen oder alles hinschmeißen?

Während früher noch die meisten ihre Landwirtschaft im Vollerwerb führten, beläuft sich die Aufteilung aktuell auf 30 Prozent Vollerwerb und 70 Prozent Nebenerwerb. Vor 20 Jahren musste noch kein Landwirt zusätzlich einem Beruf nachgehen, während es heutzutage ohne einen Job fast nicht mehr möglich ist, seine Landwirtschaft zu erhalten. „Im Jahr 1999 sind noch 3.226 Mehrfachanträge eingereicht worden. Im heurigen Jahr waren es lediglich 1.891 Anträge“, teilt Bauernkammer-Obmann Johannes Zuser mit. Die Landwirte müssen sich vielen neuen Schwierigkeiten stellen.

„Leider üben der Handel und Konsument großen Preisdruck auf uns aus, fordern aber im gleichen Atemzug tier- und umweltgerechte Produkte höchster Qualität“, bestätigt Silke Dammerer vom „Dammererhof“ in Ybbs. Die Betriebe müssen im internationalen Wettbewerb mithalten und werden mit Weltmarktpreisen abgespeist. „Wir produzieren in Österreich unter so hohen Qualitätsstandards wie nirgendwo anders. Das ist nicht zum Nulltarif möglich und daraus kann sich auch keine zukunftsfähige Landwirtschaft entwickeln“, seufzt Dammerer. „Selbst wenn wir das Getreide verschenken würden, wäre die Semmel nur um 0,01 Cent billiger“, setzt die Landwirtin nach. FP-Landeskammerrat Manfred Mitmasser sieht diesen Druck noch drastischer: „Durch einen künstlich erzeugten Überschuss werden kleinere Familienbetriebe zum Aufhören gezwungen.“ Dieses Auf und Ab bekommt die junge Generation auf den Höfen hautnah mit. Somit beginnt sich die Abwärtsspirale zu drehen. Denn wer will schon einen Betrieb übernehmen, der defizitär läuft?

„Selbst wenn wir das Getreide verschenken würden, wäre die Semmel nur um 0,01 Cent billiger.“ Silke Dammerer vom „Dammererhof“ in Ybbs

„Die meisten Betriebsführer sind im Alter von 45 plus. Bei mehr als 50 Prozent der Höfe ist die Nachfolge nicht gesichert“, stellt Mitmasser fest. „Viele potenzielle Hofnachfolger wählen lieber einen anderen Beruf und der Hof wird geschlossen. Dieses Höfesterben hat Auswirkungen auf die Verbraucher in einem ungeahnten Ausmaß“, kritisiert Silke Dammerer.

Doch sie sieht einen Lichtblick: „Es gibt auch eine andere Seite mit jenen Jungübernehmern, die mit anderen Produktionswegen und Nischen einen alternativen Weg für ihren Betrieb einschlagen. Damit diese bestehen können, braucht es jedoch die Unterstützung der Konsumenten, die diese Erzeugnisse zu schätzen wissen.“ Weiters setzt den Bauern der Klimawandel zu. „Die Landwirte sind die ersten Betroffenen von klimatischen Veränderungen, nicht die Verursacher“, sagt Leopold Gruber-Doberer, Viertelsobmann des Bauernbundes.

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