Positive Effekte der Kulturhauptstadt-Bewerbung bleiben. Kulturpartner enttäuscht über Entscheidung für Bad Ischl. Neue Ansätze und Impulse für die Zukunft.

Von Markus Glück. Erstellt am 19. November 2019 (04:12)
Die Schallaburg feiert 2024 50 Jahre Ausstellung. Gefeiert wird mit dem Thema Renaissance.
Markus Glück

Seit vergangener Woche ist es Gewissheit. Nicht St. Pölten, sondern Bad Ischl wird Europäische Kulturhauptstadt 2024.

Naturgemäß groß ist die Enttäuschung über den fehlenden Zuschlag von St. Pölten auch in der Melker Region, wo das Stift Melk, die Schallaburg und die Wachaukultur Melk Teil der Bewerbung waren. „Wir sind durch die Bewerbungsphase enger zusammengerückt. Die Bewerbung war ein Lattenschuss, das Training bleibt und man kennt sich besser. Dadurch geht für die Kultur kein Cent verloren“, betont Kurt Farasin, künstlerischer Leiter der Schallaburg. Auf der Schallaburg wird 2024 50 Jahre Ausstellung gefeiert. Als Thema ist die Renaissance vorgesehen , mit dem gleichen Thema wurde 1974 gestartet. „Das Thema bleibt natürlich. Für uns ist 2024 ein Jubeljahr“ sagt Farasin.

Gehofft auf den Zuschlag hat auch Wachaukultur Melk-Geschäftsführerin Wiebke Leithner. Sie sieht aber die positiven Effekte der Bewerbung: „Die Kulturschaffenden sind zusammengerückt, das Bewusstsein für die Zusammenarbeit hat sich gesteigert.“ Durch den Austausch der Kulturschaffenden in den letzten Jahren der Bewerbungsphase sieht Leithner auch neue Ansätze und Impulse für die Zukunft.

Weiderbauer rechnete mit Zuschlag für Region

Mit dem Zuschlag für St. Pölten und die Region gerechnet hat der Melker Kultur-Stadtrat Emmerich Weiderbauer (Grünen). „Wir haben viel in die Vorbereitung gesteckt. Jetzt gehe ich aber davon aus, dass Melk im Projekt Landes-Kulturhauptstadt 2024 eine Rolle spielen wird“, sagt Weiderbauer. Für Melk will er die aufgegriffenen Ideen umsetzen.

Darunter etwa das Projekt Museumsmenschen, bei dem das Stadtmuseum aus dem Dornröschenschlaf geholt werden soll, oder der Kulturstammtisch, der Anfang Dezember zum zweiten Mal stattfindet.

Im Stift Melk bedauert Pater Martin Rotheneder die Entscheidung: „Der 24-Kilometer-Umkreis rund um St. Pölten ist ein sehr wichtiger Kulturraum, der auch Keimzelle des ursprünglichen Ostarrichi ist.“

Er glaubt aber, dass die Mühen der Vorbereitung – in einem „unglaublich kreativen Prozess“ – nicht umsonst waren: „Wahrscheinlich wird etwas bleiben und einiges sogar auch umgesetzt werden. Das Stift hätte, sozusagen als Kontrapunkt zu dem historisch Bekannten, moderne und visionäre Kunstbeiträge beisteuern können.“