Sommerhalbzeit: Sprung ins kühle Nass trotz Virus. Wetterkapriolen und Corona: Die heurige Badesaison steht unter keinem guten Stern. Besucher bleiben aus.

Von Tanja Horaczek-Gasnarek. Erstellt am 05. August 2020 (04:20)
Nathalie, Selina und Sophia kühlen sich lieber in Flüssen wie in der Pielach im Bezirk ab. Dort können sie genügend Abstand halten.
Horaczek-Gasnarek

2020 ist ein Schaltjahr. Um dieses besondere Jahr ranken sich einige Mythen. Ein Mythos ist etwa, dass Schaltjahre Katastrophenjahre sind, und auch in einer Bauernregel heißt es: „Schaltjahre sind Kaltjahre.“ Wenn man sich das heurige Wetter und die Coronakrise ansieht, könnte dahinter ein Funken Wahrheit liegen.

Das Wetter spielt derzeit alle Stücke. Es geht von einem Extrem ins nächste. Auf enorme Hitze folgen schwere Unwetter mit sintflutartigem Regen, gefolgt von Kälte. Und dann geht es wieder weiter mit Hitze. Für Badbetreiber ist 2020 eine besondere Herausforderung. Während üblicherweise die Badesaison im Mai startet, musste coronabedingt heuer alles nach hinten verschoben werden.

„Die Vorsicht der Leute und das unbeständige Wetter merkt man stark an den Besucherzahlen“, berichtet der für das Melker Bad zuständige VP-Stadtrat Anton Linsberger. Bei schönem Wetter und Wochenende relaxen rund 850 Gäste (Höchstauslastung durch die Corona-Auflagen wären 985) im Bad. Unter der Woche sind es zwischen 100 und 150 Leute. „Im letzten Jahr waren die Höchstzahlen 1.500 Personen“, setzt Linsberger dem entgegen. Aber er gibt nicht nur Corona oder dem Wetter Schuld. „Vor 25 Jahren waren im Wachaubad noch 5.000 Besucher, heutzutage haben viele Pools zu Hause“, gibt er zu bedenken.

„Es war uns klar, dass das Wachaubad heuer noch weniger wirtschaftlich ertragreich sein wird als in den letzten Jahren. Aber wir wollten unseren Besuchern diese Freizeitmöglichkeit bieten“, betont der Stadtrat. Wegen den Abstandsregeln muss heuer jedoch verstärkt gepfiffen werden. Zum Glück gibt es viele freiwillige Helfer, die die Personalkosten nicht überanstrengen. „Normalerweise brauchen wir im Bad nicht so viel Personal – daher gilt ein großer Dank unseren Helfern“, ist Linsberger froh.

„Im Lockdown war das Wetter schön, dann kam der Umschwung. Vor allem die Wochenenden sind verregnet.“Otto Jäger, VP-Ortschef Neumarkt

Niko Hasic vom Pöchlarner Bad sieht die Situation entspannt. „Für das Wetter kann keiner etwas – ist halt heuer so. Wir freuen uns über jeden Gast, der uns besucht“, sagt Hasic. Ihm fällt auf, dass viele Auswärtige ins Bad kommen. „Wir haben auch Gäste aus St. Pölten oder Loosdorf bei uns“, berichtet er stolz. Auf den zwei Hektar gibt es genügend Platz für alle Sonnenhungrigen. Und in den Becken stößt auch keiner zusammen. „Die Regeln müssen eingehalten werden. Darauf achten wir streng. Manche wollen das nicht verstehen. Vor allem an der Kasse kommt es hin und wieder zu Diskussionen“, erzählt der Badbetreiber. Über die Besucherzahlen kann er noch nichts sagen.

Das Freizeitzentrum in Neumarkt ist normalerweise ein beliebter Treffpunkt bei Jung und Alt. Hier trifft Badesee auf Chlorbecken und die jüngsten Badegäste tummeln sich auf dem Wasserspielplatz. „Heuer ist es ruhiger“, klagt VP-Bürgermeister Otto Jäger. Die Wetterkapriolen schrecken viele Gäste ab. „Im Lockdown war das Wetter schön, dann kam der Umschwung. Vor allem die Wochenenden sind meist verregnet“, kritisiert er. Manche Sonntage fallen komplett ins Wasser. „Das spüren wir schon stark“, seufzt er. Im Freizeitzentrum tummeln sich nicht nur Badegäste. Auch beim Buffet sitzen oft Gäste bis in die Abendstunden – normalerweise. „Auch hier bleiben oft die Tische leer. Zuerst hatten wir keinen passenden Pächter, doch Gunter Mevec hat sich bereit erklärt, unser Badrestaurant zu betreiben“, freut sich Jäger.

Einen Einbruch an Besucherzahlen weist auch der Badeteich in Persenbeug-Gottsdorf aus. Im Juni waren bis zu 40 Prozent weniger Leute baden. „Aber es hat viel mit dem Wetter zu tun“, meint auch SP-Bürgermeister Manfred Mitmasser. Die Abstandsregeln können laut ihm auf dem großen Areal gut eingehalten werden. Heuer suchen Badehungrige vermehrt versteckte Badeoasen auf: Die Pielach bei Loosdorf und Melk ist da besonders beliebt. Auch an der Donau kühlen sich viele an den wenigen heißen Tagen ab.

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