Steiniger Weg für die Frauen in der Politik. Die Politik ist in vielen Gemeinden in Männerhand. Politikerinnen wünschen sich eine höhere Frauenquote.

Von Tanja Horaczek-Gasnarek. Erstellt am 05. März 2019 (04:00)
Gleiß
„Es liegt in der Hand der jungen Generation“, spielt die langjährige SP-Politikerin Christa Kranzl (jetzt Liste Christa Kranzl und Unabhängige) auf die fehlenden weiblichen Mandatare in den Gemeinden an.

Am 8. März, dem Internationalen Frauentag, darf sich das weibliche Geschlecht feiern lassen. Und es kann auf 100 Jahre Frauenwahlrecht zurückblicken. Doch ist das ein Grund zum Feiern? Nicht wirklich: Denn „frau“ kämpft immer noch gegen den „Heimchen am Herd“-Status. Die Gleichberechtigung, wenn es zum Beispiel um Lohn oder Teilhabe in der Politik geht, fehlt nach wie vor.

„Es liegt in der Hand der jungen Generation“SP-Politikerin Christa Kranzl

„Es liegt in der Hand der jungen Generation“, spielt die langjährige SP-Politikerin Christa Kranzl (jetzt Liste Christa Kranzl und Unabhängige) auf die fehlenden weiblichen Mandatare in den Gemeinden an. „Ich finde, wir machen gerade einen Rückschritt“, kritisiert Kranzl. Im Bezirk Melk haben sechs Frauen – gegenüber 40 Männern – die Zügel ihrer Gemeinde in der Hand. Kranzl hatte es in ihrer Laufbahn oft nicht leicht. „Wenn du ein gutes Standing hast und rhetorisch versiert bist, wirst du als Gefahr von den Männern gesehen. Neid ist allgegenwärtig“, resümiert sie. Ganz anders empfindet es die VP-Politikerin Bettina Rausch.

Land NÖ, Abteilung Gemeinden; Illustration: Vitaly Art/Shutterstock.com; NÖN-Grafik: Bischof

„Es kommt darauf an, mit welchen Männern man zusammenarbeitet. Mit Bundeskanzler Sebastian Kurz zum Beispiel klappt es ganz hervorragend“, lobt sie ihren Vorgänger in der Politischen Akademie. Die Krummnußbaumerin und ehemalige Bundesrätin ist ebenfalls schon lange in der Politik zuhause. Auf die Frage, ob sie etwas anders macht als Männer, gibt sie an:

„Frauen suchen eher das konstruktive Gespräch als den harten Streit.“ Das bestätigt auch die Ybbser SP-Stadträtin Ulrike Schachner: „In manchen Situationen handle ich diplomatischer und gehe mehr auf Stimmungen ein.“ Schachner war schon immer in Vereinen engagiert und so ergab sich die Frage, ob sie im Gemeinderat mitarbeiten möchte. Ähnlich erging es Bettina Schneck von den Grünen in Melk. Die Mutter zweier Kinder wusste: „Wenn ich in Melk etwas bewegen möchte, dann muss ich mich auch aktiv engagieren.“ Schneck ist der Meinung, dass eine „gute Mischung“ in Arbeitsgruppen (zwischen Frauen und Männern) am besten ist.

An der besagten Mischung fehlt es der ehemaligen SP-Staatssekretärin Kranzl. Sie würde sich eine Frauenquote von 52 Prozent wünschen. Doch in manchen Gemeinden – wie zum Beispiel Mank oder Dunkelsteinerwald – ist die politische Suche nach Frauen wie die Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen. Generell ist der Anteil der Gemeinderätinnen mit 19.7 Prozent der niedrigste Wert im ganzen Bundesland. Der Bezirk hat jedoch auch eine Vorzeigegemeinde: In Petzenkirchen ist die dienstälteste Ortschefin von Österreich zu finden. Lisbeth Kern, SP-Bürgermeisterin seit bald 23 Jahren, weiß, dass man als Frau mehr unter Beobachtung steht.

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