Dürnstein

Erstellt am 11. Dezember 2018, 04:00

von Markus Glück und Petra Vock

„Die Donau ist kein illegales WC“. Grüne und FPÖ attackieren Kreuzfahrttourismus und fürchten um Wasserqualität der Donau. Beide fordern Maßnahmen.

Grünen-Klubobfrau Helga Krismer (Mitte), Franz Xaver Doppler und Sandra Mayer kürten die „braune Donau“ zum Schildbürgerstreich des Monats November.  |  Lechner

Es kommt selten vor, dass sich Grüne und FPÖ einig sind: Beide klagen aktuell über die Verschmutzung der Donau durch den Kreuzfahrttourismus.

Sowohl die FPÖ als auch die Grünen wurden zuletzt immer öfter von Bootsfahrern und Passanten kontaktiert, die Verschmutzungen durch Fäkalien und Speisereste beobachteten. Bereits im Sommer berichtete die NÖN von zwei stark verschmutzten Proben im Donau-Oberlauf in der Nähe von Anlegestellen – eine davon war in Oberloiben (Gemeinde Dürnstein).

Ob die Verunreinigung aber tatsächlich von Schiffen stammte, konnten die Wissenschafter damals nicht beantworten, es ist aber denkbar. „Es gibt Entsorgungsmöglichkeiten für Schiffe, scheinbar entscheiden sich aber einige Schiffsbetreiber anders. Die Donau ist aber kein illegales Klo für Schiffe“, zürnt Grünen-Klubobfrau Helga Krismer.

Reedereien wehren sich gegen Vorwürfe

Einen Angriff auf die Kreuzfahrtschiffe startet auch FP-Landesparteiobmann Walter Rosenkranz: „Es vermehren sich Beobachtungen, in denen von Ablassen von Fäkalien und anderen Substanzen in die Donau von Schiffen berichtet wird.“ Auch Rosenkranz nimmt dabei Bezug auf private Wasseruntersuchungen, die hohe Belastungen mit Fäkalkeimen zutage brachten. „Die weißen Schaumkronen in Ufernähe sind ein Zeichen dafür, dass Inhalte aus den Toilettenanlagen direkt ins Wasser gelassen werden. Hier ist die Kacke am Dampfen und das ist nicht weiter hinnehmbar“, meint Rosenkranz.

Mit den Vorwürfen der beiden Politiker konfrontierte die NÖN mehrere Reedereien, deren Schiffe auf der Donau im Einsatz sind. Bei der A-Rosa Flussschiff GmbH betont Pressesprecherin Annika Schmied, dass der Umweltschutz für A-Rosa eine zentrale Rolle spielt. „Wir wollen die Flüsse, auf denen wir unterwegs sind, schützen. Es werden keinerlei Substanzen oder Bestandteile außenbords in die Flüsse geleitet.“ Schmied weist auch auf ein Abfallmanagement an Bord hin, die Abfälle werden in ausgewählten Häfen an Partnerunternehmen übergeben.

Melk zählt zu den frequentiertesten Donauhäfen in Österreich. Zuletzt mehrten sich Anschuldigungen, dass Kreuzfahrtschiffe ihre Fäkalien unrechtmäßig entsorgen.  |  Glück

Von populistischen Aussagen spricht Guido Laukamp, Geschäftsführer von NickoCruises, die zuletzt vermehrt in Ybbs anlegte: „Herr Rosenkranz ist scheinbar nicht mit der aktuellen Gesetzgebung vertraut. Flusskreuzfahrtschiffe haben ,kleine Klärwerke‘ an Bord, über die sämtliche Abwässer gereinigt werden.“ Dabei dürfen die Abwässer aber auch nicht in geklärtem Zustand in die Donau entlassen werden, sondern müssen in Häfen von einem Tankwagen abgepumpt werden. Die Grenz- und Messwerte, aber auch die Frequenz der Kontrollen, sind dabei in den letzten Jahren massiv erhöht worden. „Bei Verstößen kann die Wasserpolizei das Schiff stilllegen. Es lohnt sich für keinen Betreiber, gegen die Auflagen zu verstoßen“, betont Laukamp.

Verkehrsministerium führt Kontrollen durch

Die Kontrolle der fachgemäßen Entsorgung ist Aufgabe der Schifffahrtsaufsichten des Verkehrsministeriums. „Wir bekommen hin und wieder Hinweise auf Verschmutzungen. Ein Anstieg ist uns aber nicht bekannt“, meint Sprecherin Vera Hofbauer. Man gehe aber allen Beobachtungen nach. Neben Hinweisen aus der Bevölkerung gibt es auch gezielte Kontrollfahrten und das Schiffspositionssystem DoRIS. Erst im Sommer konnte ein Unternehmen wegen illegaler Müllentsorgung ertappt werden.

Nichts bekannt über eine etwaige Verschmutzung ist auch dem Welterbe-Obmann Andreas Nunzer. Er verteidigt auch die Kreuzfahrtschiffe und verweist auf die aktuelle Studie zum Thema Wertschöpfung, die im März vorgestellt wird. „Es ist nicht so, dass die Kreuzfahrttouristen nur kommen und unsere Mistkübel anfüllen.“

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