Wenn die Hasswelle im Netz kommt. Immer öfter sehen sich Politiker im Internet mit Hasskommentaren konfrontiert. Im Bezirk geht man unterschiedlich mit digitalen Angriffen um.

Von Denise Schweiger, Michael Bouda und Zaklina Jukic. Erstellt am 21. Januar 2020 (02:34)
Karl Nestlberger, Psychologin Renate Brosch, Gruppeninspektor Maximilian Schernhammer, Patricia Eder und Gernot Hofegger (v. l.) beim Vortrag „Kids im Netz“ in Klein-Pöchlarn.
Jukic

Dass der Umgangston im Internet oft rau ist, bekommen auch Politiker zu spüren. Die frisch gebackene Justizministerin Alma Zadić (Grüne) ist momentan wohl das prominenteste Beispiel. Aber nicht nur auf Bundesebene bekommen Politiker Hasskommentare zu lesen.

Martin Huber etwa, Ex-Klubsprecher der FPÖ NÖ und Listenerster von „Plan Blindenmarkt“ (kurz: Plan B), sah sich jetzt mit beleidigenden Meldungen im Netz konfrontiert. Im Forum der Tageszeitung „Standard“ kippte die Debatte in Richtung unter die Gürtellinie. „Ich wurde als Taliban im Steireranzug beschimpft. Als Politiker muss man viel aushalten – und ich halte das aus – aber ab einem gewissen Punkt geht es zu weit“, meint Huber.

Als die anonymen Kommentatoren sich über seine Mitstreiter aufgrund ihres Auftretens („gleich einer primitiven Deix-Karikatur“) und Hubers Heimatgemeinde Blindenmarkt („dort müssen die Leute wirklich blind sein“) lustig machten, griff der Ex-Freiheitliche zur Tastatur und konterte. Für ihn sind solche Meldungen „Attacken aus dem linken Eck“: „Gerade die, die sonst Toleranz forderten.“

Anders als Huber geht SP-Nationalrat Alois Schroll anders mit Negativität in der Kommentarspalte um. „Ist es sachliche und fachliche Kritik, lasse ich mich gern auf Diskussionen ein. Wird es untergriffig, lösche ich den Beitrag und blockiere den Verfasser“, erzählt der Ybbser. Schroll musste auch schon einmal den Verfassungsschutz einschalten.

Es begann mit bösartigen E-Mails, schlussendlich fand er vor seiner Haustür Rosen mit schwarzer Schleife und an seinem Auto einen Brief mit der Frage, welche Musik bei seinem Begräbnis gespielt werden solle. „Angeblich war das ein Oberösterreicher, der einen Hass auf Politiker aller Couleurs hatte. Als auch meine Tochter Post von ihm bekam, hörte sich für mich aber der Spaß endgültig auf“, erinnert sich der Politiker zurück.

Die sozialen Medien neu für sich entdeckt hat indes Ruprechtshofens VP-Bürgermeister Leopold Gruber-Doberer. Postete er bislang hin und wieder Fotos und Textbeiträge, nutzte er im Wahlkampf für die Gemeinderatswahl Videobotschaften. Seit Neujahr gab es regelmäßig Clips des Ruprechtshofners zu sehen. „Es ist ein zusätzlicher Weg neben klassischer Wahlwerbung, die Leute anzusprechen“, erläutert Gruber-Doberer. Negatives Feedback erntete er bislang nicht.

Drohungen immer sofort an Polizei weiterleiten

Hass im Netz ist aber nicht nur unter Erwachsenen ein Thema. Schließlich nutzen rund 85 Prozent der Jugendlichen das Handy für mindestens drei Stunden täglich, oftmals sogar bis zu acht Stunden. Der Lions Club Pöchlarn-Melk möchte mit Vorträgen von Experten Jugendliche und Eltern darauf hinweisen, welche Gefahren im World Wide Web lauern. Begriffe wie Cybermobbing, Shit Storms sowie Hasspostings sind Alltag im Netz. Psychologin Renate Brosch ist spezialisiert auf Suchtkrankheiten und erlebt in den letzten Jahren immer häufiger, wie präsent das Internet für Jugendliche geworden ist.

Auch Kettenbriefe mit Morddrohungen sind immer häufiger im Umlauf. Hier empfiehlt Gruppeninspektor Maximilian Schernhammer, die Briefe direkt an die Polizei weiterzuleiten.

Grundsätzlich rät Schernhammer Eltern, eine gute Vertrauensbasis zu ihren Kindern aufzubauen und viel zu reden. „Am wichtigsten ist es, dass Hirn bei der Benützung des Internets einzuschalten und zu verwenden“, appelliert er im Rahmen des Vortrages „Kids im Netz“.