Wolf erweitert Revier: Erster Riss südlich der Donau. DNA-Tests bestätigten bislang nur Risse im Waldviertel. Rehkadaver zeigt: Der Wolf jagt auch um Melk.

Von Denise Schweiger. Erstellt am 24. April 2019 (08:24)
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Symbolbild

Dass Wölfe durch das südliche Waldviertel streifen, haben Wildkameraaufnahmen und DNA-Tests von Tierkadavern schon mehrmals bestätigt. Ein totes Reh beweist jetzt aber, dass „Meister Isegrim“ auch südlich der Donau auf die Jagd geht. Auf der „Hub“ zwischen Melk und Schönbühel entdeckten Jäger einen Kadaver. Eine Laboranalyse später ist klar: Ein Wolf erlegte das Reh.

„Diese Tiere legen in kurzer Zeit sehr große Strecken zurück“, kennt Bezirksjägermeister Bernhard Egger die Verhaltensmuster der Wölfe. Und Gewässer, wie etwa die Donau, sind bei ihren weiten Streifzügen kein Hindernis: Sie sind hervorragende Schwimmer.

Der erste bestätigte Wolfsriss südlich der Donau sorgt bei Herbert Bitter jun. für Sorgenfalten. Gemeinsam mit seiner Familie betreibt er einen Bio-Bauernhof samt Mostheurigen in Schönbühel-Aggsbach. Etwa fünf Kilometer liegen zwischen dem Betrieb und dem Fundort des Kadavers.

„Wolfssicherung“ meist zu kostspielig

„Solche Meldungen stimmen uns bedenklich“, denkt der Junglandwirt an seine über 100 Rinder. Für die sind die Bitters in der Region bekannt: Sie halten Angus und Murbodner Rinder auf über zehn Weiden. Die Tiere sind das ganze Jahr über in der Natur. Kommt also ein hungriger Wolf des Weges, sorgt nur ein Elektro-Zaun dafür, dass die Nutztiere nicht zur Beute werden. Die Bitters beratschlagten bereits, die Weiden „wolfssicherer“ zu machen. Ein Unterfangen, das allerdings gegen ihre Philosophie und auch ihr Budget spricht. „Wir haben uns bewusst für die Bio-Landwirtschaft und Weidehaltung entschieden. So eine Investition wäre extrem kostspielig, da können wir eigentlich gleich zusperren“, argumentiert Bitter.

Der Landwirt und JVP-Bezirksobmann wünscht sich eine langfristige Lösung vonseiten der Politik. Jene von Georg Strasser, VP-Nationalratsabgeordneter und Bauernbund-Präsident, gefällt Bitter schon ganz gut. „Ich bin Georgs Meinung, der Wolf gehört bejagt. Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter: Er muss gar nicht erst zu einem ‚Problemwolf‘ werden“, würde der Landwirt die Tiere generell zum Abschuss freigeben. Zur Erinnerung: Im September 2018 wurde das Jagdgesetz bereits abgeändert. In Gefahrensituationen ist es erlaubt, einen Wolf – trotz seines Schutzstatus – zu erschießen.

Nördlich der Donau sind Wolfsrisse mittlerweile keine allzu große Sensation mehr. In Dorfstetten etwa zählte man bis dato rund acht nachgewiesene Risse. „Die Präsenz des Wolfs zeigt jetzt schon ihre Konsequenzen“, erläutert Bezirksjägermeister Bernhard Egger. Und die bekommen nicht nur Waldbewohner, sondern auch Waldbesitzer zu spüren. Das Rotwild meidet die Futterstellen aus Angst vor den Raubtieren. „Also fressen sie die Bäume an, das hat erhebliche Schälschäden zur Folge. Die sind mit tausenden Euros zu beziffern“, erklärt Egger seine Bedenken.