Umweltproblematik in Ybbs: „Davon nichts gewusst“ . Probleme bei Biomasse-Heizwerk sorgen für Verärgerung bei Anrainern der Ausiedlung. Polizei eingeschaltet.

Von Markus Glück. Erstellt am 06. August 2020 (03:47)
Im Pool einiger Bewohner verklumpten Rußpartikel, diese waren auch beim NÖN-Lokalaugenschein noch zu sehen.
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Aufregung in der Ausiedlung: Mehrere Anrainer unterstellen den Betreibern des Ybbser Biomasse-Heizkraftwerks grob fahrlässige Umweltgefährdung. Bereits vor 2,5 Monaten bemerkten Anrainer Rußpartikel sowie verstärkt Staub- und Feinstaubablagerung auf Autos, Gartenmöbeln und in Swimmingpools.

Kurze Zeit später klagten mehrere Bewohner der Siedlung über Hals- und Kopfschmerzen sowie Husten. „Wir waren besonders stark bei Ostwind betroffen. Der Feinstaub hat sich in unseren Mandeln abgesetzt“, beschwert sich ein Anrainer. Man suchte den Kontakt zum von der Firma Stora Enso eingesetzten Vertrauensmann in der Siedlung. Dieser ist Ansprechpartner bei vermeintlichen Problemen mit dem Ybbser Werk.

„Kurze Zeit später haben wir bemerkt, dass das Problem vom Heizwerk kommt. Dort hat man aber wochenlang nicht reagiert“, bemängelt eine weitere Anrainerin. Als sich die Situation Ende Juli verschärfte, alarmierten die Bewohner die Polizei. „In meinem Pool haben sich Rußpartikel verklumpt“, erzählt ein Bewohner. Zwei Tage später erfolgte die Abschaltung des betroffenen Kessels 4 des Heizwerks. Zu spät, wie sich die Anrainer bei einem NÖN-Lokalaugenschein beschweren: „Man kannte den Fehler schon lange, wollte aber bis zur Revision Ende August den Betrieb normal weiterlaufen lassen. Hier leben Kinder, in der Nähe ist die Ybbs zum Baden. Das ist eine Sauerei.“

Otto Zechmeister, Betreiber des Biomasse-Heizwerks, und Betriebsleiter Gerhard Gruber weisen die Vorwürfe auf das Schärfste zurück. „Wir haben nichts von den Problemen gewusst. Die erste Meldung kam vor wenigen Tagen. Ich war auf Urlaub und bin dann sogar früher nach Hause gefahren. Das Problem tut mir sehr leid, wir haben sofort die gesamte Anlage überprüft“, betont Gruber. Sichtlich um ein gutes Verhältnis mit den Nachbarn bemüht ist auch Zechmeister: „Das Problem wurde am Freitag gefunden, danach erfolgte die sofortige Abschaltung.“ Laut ersten Informationen dürfte es zu Verpuffungen in der Verbrennungsanlage gekommen sein.

Noch kein Verfahren bei Staatsanwaltschaft

Nach der Anzeige bei der Polizei wurden auch die Stadtgemeinde Ybbs sowie die Staatsanwaltschaft St. Pölten informiert. Dort gibt es laut Staatsanwalt Leopold Bien noch kein Verfahren. Auch bei der Stadtgemeinde wurde laut SP-Stadtchef Alois Schroll erst vergangene Woche etwas gemeldet: „Wir haben dann alle notwendigen Schritte eingeleitet. Ein Dank gilt der aufmerksamen Bevölkerung.“

Im Heizkraftwerk möchten die Betreiber Ende September Revisionsarbeiten im Kessel 4 durchführen. Bis 2021 erfolgte eine generelle Modernisierung der Anlage. „Diese Neuinvestitionen haben aber allesamt nichts mit dem Vorfall zu tun. Durch Corona haben sich manche geplanten Arbeiten leider verzögert“, erklärt Zechmeister. Dem Betreiber ist auch wichtig zu betonen, dass sämtliche Emissionswerte bei der Anlage eingehalten werden: „Das wird auch laufend geprüft.“