Ab Freitag drohen dem Bezirk Melk Ausreisetests

Laut Hochrechnungen sind Ausreisetests theoretisch bereits ab Freitag möglich. Gemeinden und Bezirkshauptmannschaft haben mit Vorbereitungen begonnen.

Aktualisiert am 20. Oktober 2021 | 16:36
Symbolbild Ausreisetests enden um Mitternacht
Symbolbild
Foto: Tanja Barta

Eine Bürgermeisterkonferenz mit der Bezirkshauptmannschaft Melk brachte am Mittwochvormittag traurige Gewissheit: Frühestens ab Freitag könnten dem Bezirk Melk erstmals Ausreisetests bevorstehen.

Bereits zu Ostern stand der Bezirk Melk kurz davor, damals entging man den Ausreisetests allerdings knapp. "Es ist derzeit schwer zu sagen und wir können uns nicht auf einen Tag festlegen. Theoretisch ist es aber ab Freitag oder Samstag möglich. Die Vorbereitungen laufen", bestätigt der Melker Bezirkshauptmann Norbert Haselsteiner die NÖN-Informationen.

Intensivbetten-Belegung ist über der kritischen Marke

Aktuell ist der Bezirk Melk mit einer Inzidenz von knapp 575 Fällen pro 100.000 Einwohnern österreichweiter Spitzenreiter. Die Impfrate liegt derzeit bei knapp unter 60 Prozent.

Die niederösterreichweite Belegung der Intensivbetten liegt mit 11,5 Prozent über der kritischen Zehn-Prozent-Marke. Insgesamt gibt es laut Stand von Mittwochfrüh 607 Covid-Fälle im Bezirk Melk, nur eine einzige Gemeinde ist derzeit ohne Covid-Fall. Mehr als 950 Personen befinden sich in Quarantäne, knapp 640 haben eine Verkehrsbeschränkung. Aktueller Hotspot im Bezirk Melk ist der südliche Teil der Donau, vor allem die Manker Region.

Aktuell laufen auf der Bezirkshauptmannschaft Melk und den Gemeinden die Vorbereitungen, auch die Polizei ist in die Planungen eingebunden. Da nicht der gesamte Bezirk abgeriegelt werden kann, wird es verschiedene Kontrollpunkte geben. Zur Ausreise aus dem Bezirk Melk wäre, im Fall der Fälle, ein 3G-Nachweis notwendig. Wie die Situation bei Schülern aussieht, ob etwa die Tests aus der Schule gelten, wird derzeit noch abgeklärt. "Es wird nicht möglich sein, jeden zu kontrollieren. Ich appelliere aber an den gesunden Menschenverstand", betont Haselsteiner. 

Keine unmittelbare Auswirkung hätten mögliche Ausreisetests auf die Veranstaltungen im Bezirk Melk. Allerdings wird derzeit das intensive Gespräch mit den einzelnen Veranstaltern gesucht, ihre Veranstaltungen zumindest unter verschärften Bedingungen abzuhalten. "Das soziale Leben, dass in den vergangenen Wochen sehr intensiv stattgefunden hat, hat die derzeitige Situation natürlich begünstigt", meint Haselsteiner. 

Für das Aus der möglichen Ausreistests spielen dann mehrere Faktoren eine Rolle. So müsste etwa die Impfquote auf über 60 Prozent steigen, um bei den aktuellen Fallzahlen die Ausreisetests zu verhindern. Bleibt die Impfquote unter 60 Prozent muss die Inzidenzzahl in einem 7-Tage-Mitte auf unter 400 Fälle fallen. "Ich kann nur an alle appellieren, sich impfen zu lassen.", sagt Haselsteiner. 

Auch im Bezirk Scheibbs droht Ausreisekontrollen

Im Büro von Gesundheitslandesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig (SPÖ) werden die Zahlen genau beobachtet. Hinsichtlich möglicher Maßnahmen wurde auf eine Lagebesprechung verwiesen, die am (morgigen) Donnerstag stattfinden wird.

Ein Szenario wie im Bezirk Melk könnte auch dem Bezirk Scheibbs blühen. Dort lag die Sieben-Tages-Inzidenz am Mittwoch mit 529,3 zum zweiten Mal nacheinander über dem Wert von 500. Der Bezirk Scheibbs war bereits in der ersten Jahreshälfte mit Ausreisekontrollen belegt worden. Ebenso betroffen waren in Niederösterreich im Zeitraum von Mitte März bis Ende April die Statutarstadt Wiener Neustadt sowie die Bezirke Wiener Neustadt-Land und Neunkirchen.

Reaktion Richard Punz, FPÖ- Bezirksobmann:

"Es kann nicht sein, dass ein ganzer Bezirk von der ÖVP wegen einer Infektionsrate von 0,77 Prozent in Geiselhaft genommen wird und Grund- und Freiheitsrechte schon wieder ausgehebelt werden. Die ÖVP hat die Bevölkerung schon lange genug eingesperrt! Dieses rechtswidrige und vor allem sinn- und evidenzbefreite Vorgehen entbehrt jedweder Verhältnismäßigkeit. Wir Freiheitliche werden mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln dagegen vorgehen."