Ybbs an der Donau

Erstellt am 03. Januar 2019, 06:28

von Markus Glück

Ybbser Stadthalle: 700.000 Euro für eine Dachterrasse. VP hält an Idee eines Gastrobereichs am Dach fest. Scheuchelbauer (SP) kritisiert leichtsinnigen Umgang mit Geld.

Geht es nach der Ybbser VP-Fraktion, soll die geplante Aussichtsterrasse der Stadthalle mit einem Gastro-Bereich ausgestattet werden. Foto: Bauer  |  Bauer

Zumindest 7,4 Millionen Euro soll die Sanierung der maroden Ybbser Stadthalle kosten. Die Stadtgemeinde muss dafür 4,4 Millionen Euro aufbringen. Für die Summe plant SP-Bürgermeister Alois Schroll, einen Kredit mit einer Jahresrate von 195.700 Euro aufzunehmen, der sich zur Gänze aus Einnahmen sowie aus frei werdenden Leasing- und Darlehensraten finanzieren soll.

„Frage mich, wie wir diese Mehrkosten finanzieren wollen“

Durch eine Förderung des Landes Niederösterreich in der Höhe von 2,9 Millionen Euro ist die Finanzierung gesichert. Das Land wünscht sich aber, auf Treiben der Ybbser ÖVP, den Bau einer Dachterrasse als touristisches Highlight für die Region. Gerade diese Dachterrasse sorgt innerhalb der Stadtpolitik für heftige Diskussionen. Bereits vor mehr als einem Jahr machte die ÖVP mittels eines Flugzettels auf den Wunsch nach einer Dachterrasse aufmerksam.

Geht es nach den Vorstellungen der ÖVP, soll es aber nicht nur bei einer Aussichtsterrasse bleiben. Besucher sollen die Möglichkeit haben, dort Getränke und kleine Snacks zu erwerben und die Aussicht genießen zu können.

Schroll präsentierte in der vergangenen Gemeinderatssitzung eine erste Grobschätzung der Mehrkosten. Für eine Dachterrasse und einen Gastronomiebereich rechnet der Architekt mit rund 900.000 Euro, die sich aber aufgrund von anderen Preisminderungen auf rund 700.000 Euro einpendeln werden. So ist ein Bereich für 80 Personen und eine Fläche von 250m2 vorgesehen.

Zu viel des Guten für SP-Vizebürgermeister Herbert Scheuchelbauer: „Ich frage mich, wie wir diese Mehrkosten finanzieren wollen. Wir müssen die Pacht erhöhen – wie soll ein Gastronom dies nur mit Snacks und Getränken verdienen?“

„Investieren wir jetzt nicht, ist der Zug auf ewig abgefahren“

Zu hoch findet VP-Stadtrat Ewald Becksteiner die genannten Kosten des Architekten, der Unternehmer rechnet selbst nur mit rund 500.000 Euro. Von der Idee ist er dennoch angetan: „Für Ybbs wäre das ein touristisches Highlight.“ Er rechnet auch vor, dass die Mehrkosten bei rund 20.000 Euro pro Jahr liegen, gerechnet auf 30 Jahre. „Investieren wir jetzt nicht, ist der Zug auf ewig abgefahren“, appelliert er an seine Gemeinderatskollegen.

Für Scheuchelbauer geht die aktuelle Diskussion am Thema vorbei: „Jetzt, wo wir mit der Planung fertig sind, sollen wir wieder von vorne beginnen? Ihr wollt aufgrund eures Bauchgefühls leichtsinnig mit Geld umgehen, da bin ich dagegen.“ Und Stadtoberhaupt Schroll warnt davor, dass das eigentliche Thema, die Sanierung der Stadthalle, in den Hintergrund rückt.

„Es war nie die Rede von einem Restaurant, sondern von einer Dachterrasse um rund 180.000 Euro“, wundert sich Schroll über den Sinneswandel der Volkspartei. Der Stadtchef schlägt aber vor, die Terrasse optional in die Ausschreibung aufzunehmen, für den Architekten entstehen dadurch Mehrkosten von 35.000 Euro. Zu viel für die FPÖ, wie Gemeinderat Andreas Reitner betont: „Der gesamte Plan hat 100.000 Euro gekostet, und der kleine Teilbereich 35.000 Euro. Da kann doch was nicht stimmen.“

Am Ende stimmte Scheuchelbauer gegen die Vergabe zur Planänderung für eine Dachterrasse, drei SP-Mandatare enthielten sich ihrer Stimme.