Stadthallen-Restaurant Ybbs: Schließung nach vier Tagen. Wegen fehlender Betriebsanlagengenehmigung musste das Ybbser Stadthallen-Restaurant "Der gute Fang" nur wenige Tage nach der Öffnung seine Türen wieder sperren.

Von Markus Glück. Erstellt am 14. September 2021 (09:11)
Stadhallenrestaurant Ybbs schließt nach 4 Tagen
NÖN

Groß war die Freude bei Stadthallen-Gastronomin Hannah Neunteufel, als sie am Freitag nach monatelangen baulichen Verzögerungen endlich ihren „Guten Fang“ samt „Fischbar“ eröffnen konnte. Direkt am Ybbser Donauufer sollten Gäste künftig das Flair und ausgewählte Köstlichkeiten genießen können.

Neunteufels Freude währte aber nur wenige Tage. Der Grund liegt in einer fehlenden Betriebsstättengenehmigung. Bereits im Frühjahr hat die Stadtgemeinde Neunteufel mittels Gemeinderatsbeschluss zugesagt, dass sich die Stadt um die Betriebsanlagengenehmigung kümmern werde. Tat sie aber scheinbar nicht zeitgerecht und bereits vor der Eröffnung am Freitag war der Ybbser Stadtchefin Ulrike Schachner (SPÖ) der Umstand bekannt, dass die Genehmigung nicht rechtzeitig eintrudeln wird. Die Schuld sieht Schachner aber nicht bei der Gemeinde: „Wir haben Ende Juli alles eingereicht. Im Sommer arbeiten nicht alle 100 Prozent, die Genehmigung ist aber am fertigwerden.“ Dass es erst Ende Juli zur Einreichung kam, ist für Schachner auch Schuld ihres Vorgängers. „Es wurden einige Beschlüsse in der Zeit vor mir versäumt, diese mussten wir im Frühjahr nachholen. Wir haben eine Pandemie, da ist es nicht schneller gegangen“, meint Schachner. Kopfschütteln über das Eröffnungs-Desaster gibt es von ÖVP-Stadtrat Gert Kratzer: „Das ist wieder einmal einfach nur peinlich.“ Peinlich? Nicht für Schachner: „Wir haben die Stadthalle eröffnet und dabei wenig Zeit gehabt.“

Verfahren kann bis zu 2,5 Monate dauern

Um sich in Haftungsfragen abzusichern, soll es vonseiten der Stadtgemeinde ein Schriftstück für Neunteufel gegeben haben, wo man ihr den Umstand der fehlenden Genehmigung mitteilte. Das will Schachner so zwar nicht bestätigen, aber: „Wir haben ihr mitgeteilt, dass es keine Genehmigung gibt.“

Gegenüber der NÖN bestätigt Neunteufel die kurzfristige Schließung ihres Lokals ab Dienstag, solange bis die Genehmigung eintrifft. „Ich habe geglaubt, die Genehmigung kommt am Freitag. Als sie am Montag nicht kam, haben wir beschlossen, mit Dienstag zu schließen“, hofft Neunteufel auf eine rasche Wiedereröffnung. Die Gastronomin nimmt dabei die Stadtgemeinde in Schutz und prangert die Bürokratie der Bezirkshauptmannschaft Melk an. Dort sieht Bezirkshauptmann Norbert Haselsteiner den Fall gelassen und spricht von normalen Vorlaufzeiten. „Man muss gewisse Vorlaufzeiten in Kauf nehmen. Im Normalfall dauert ein derartiges Betriebsanlagengenehmigungs-Verfahren rund 2,5 Monate“, betont Haselsteiner.

Auf die plötzliche Schließung des Stadthallen-Restaurants aufgrund einer fehlenden Genehmigung reagiert jetzt auch GVV-Präsident Ruport Dworak. In einer Stellungnahme kritisiert er dabei die langen Behördenwege und nimmt dabei auch die Ybbser SPÖ-Bürgermeisterin Ulrike Schachner in Schutz. „Wie die Betreiberin selbst bereits betont hat, wurden vonseiten der Gemeinde die notwendigen Handlungen gesetzt. Vielmehr sehe ich das als Anzeichen, dass Genehmigungsverfahren grundsätzlich viel zu lange dauern. Im Sinne unserer Betriebe muss es unser Anliegen sein, dies endlich zu beschleunigen“, meint Dworak. Eine Attacke richtet der GVV-Präsident aber auch gegen den Melker Bezirkshauptmann Norbert Haselsteiner: „Wenn sich dann ein Bezirkshauptmann – wissentlich, dass die Genehmigung noch ausständig ist – bei der Eröffnung neben der Landeshauptfrau setzt und das gelungene Projekt bejubelt, fehlt mir als Bürgermeister jedes Verständnis. Das ist eine Verhöhnung des Genehmigungswerbers“.