Loosdorf , Krummnußbaum , Marbach an der Donau

Erstellt am 09. Januar 2019, 05:00

von Denise Schweiger

Tabuthema: Unter der Erde konserviert. Aufgrund von Lehmboden können Leichen auf vielen Friedhöfen im Bezirk nicht richtig verwesen. Gegenwirken kostet Gemeinden viel Geld. Letzte Instanz: Umsiedeln.

Bilderbox

Was eher nach einem Horror-Film klingt, ist in vielen Gemeinden im Bezirk ein folgenschweres Problem: Die Toten verwesen auf den Friedhöfen nicht richtig.

Gräber quasi luftdicht versiegelt

Der Grund dafür liegt in der Beschaffenheit des Bodens. Ist der Lehmanteil etwa sehr hoch, kann Niederschlagswasser nicht versickern. Die Gräber unter der Erde sind quasi luftdicht versiegelt, daher verlängert sich der Verwesungsprozess. Und zwar gravierend: Normalerweise zersetzt sich der Körper nach ungefähr zehn Jahren. In feuchten Böden, ohne genügend Sauerstoff, dauert das an die dreißig, vierzig Jahre.

Lässt also jemand ein Grab auf, kommt gegebenenfalls eine nicht vollständig verweste Leiche zutage.

Im Bezirk Melk sind einige Gemeinden betroffen: Die Friedhöfe in Loosdorf, Krummnußbaum und Marbach weisen einen hohen Lehmanteil auf. Bislang hat sich allerdings niemand von ihnen aktiv mit der Lösung des Problems beschäftigt. „Ich habe bereits davon gehört, aber wir nahmen das bis dato so hin. Allen voran, weil sich viele eine Urnenbestattung wünschen“, erzählt SP-Bürgermeister Thomas Vasku. Dieser Trend kommt den Kommunen gelegen.

Im schlimmsten Fall droht die Verlegung

Am Marbacher Friedhof sind die Urnenplätze fast voll. „Wir beobachten das schon lange. Von einer Verwesungszeit von zehn Jahren sind wir an manchen Stellen sehr weit entfernt, das steht fest“, berichtet SP-Ortschef Anton Gruber. Damit feuchter Friedhofsboden stärker durchlüftet wird, gibt es mehrere Möglichkeiten. Die günstigste Variante ist, der Erde bei der Beerdigung Kies oder Sand beizumengen. Auch Drainagen sind eine – sehr kostspielige – Variante, um die Feuchtigkeit zu entziehen. Im schlimmsten Fall hilft allerdings nur die Verlegung des Friedhofs – oder, wie in einer Ortschaft in Bayern, das Verbot von Erdbestattungen.

„Es ist ein unangenehmes Thema, das niemand hören will. Irgendwann muss man sich dem aber stellen“, betont Rainer Wernhart, Bundessprecher der Bestatter, dass die Verwesungsproblematik kein Tabuthema sein darf.