Ybbs: Pfarrer Wurzer über den Abschied. Hans Wurzer wechselt nach Streitereien in der Pfarre mit 1. September als Moderator nach Opponitz.

Von Markus Glück und Walter Fahrnberger. Erstellt am 12. August 2020 (05:12)
Franz Gleiß

16 Jahre lang leitete der gebürtige Purgstaller Johann „Hans“ Wurzer (58) die Stadtpfarre Ybbs. Ende August geht diese Ära zu Ende – nicht ganz freiwillig, wie aus dem Umfeld der Stadtpfarre Ybbs zu hören ist. Nach einem Gespräch mit Bischof Alois Schwarz und einer dreitägigen Bedenkzeit habe er, so Wurzer, vergangenen Mittwoch seinen Rücktritt eingereicht. Einen solchen kann ein Pfarrer in der Regel nur selbst bestimmen.

Die Vorwürfe, die gegen Wurzer erhoben werden, wiegen schwer: häufiges Zuspätkommen, offener Alkoholkonsum, aber auch organisatorische Mängel innerhalb der Pfarre. Angesprochen auf die Verfehlungen zeigt sich der in der Bevölkerung sehr beliebte Pfarrer zerknirscht: „Die organisatorischen Mängel kann ich unterschreiben. Mir ist es leider in all den Jahren nicht gelungen, die internen Streitigkeiten zu beenden.“

Wurzer wechselt ab 1. September als Pfarrmoderator nach Opponitz und will Platz machen, um die zahlreichen Streitereien in der Pfarre zu beenden. „Ich mache Platz für jemanden, dem die Krisenintervention besser liegt als mir“, meint Wurzer, der als Kapitän der Priester-Nationalmannschaft über die Bezirksgrenzen hinaus bekannt ist.

„Nicht unerhebliche Spannungen“

Angesprochen auf den übermäßigen Alkoholkonsum dementiert er: „Ich habe bisher 13 Mal einen Alkoholtest machen müssen, jedes Mal ergab er 0,0 Promille.“

In der Tat rumorte es innerhalb der Pfarrgemeinschaft in Ybbs in den letzten Monaten gewaltig. So gab es nach Streitereien sowohl Rücktritte im Pfarrkirchenrat als auch im Pfarrgemeinderatsvorstand. Ebenso sind Teile des Kirchenchors und dessen Leiter zurückgetreten. Zwischen Pfarrgemeinderat (zuständig für Seelsorge und Feste, etc.) und Pfarrkirchenrat (zuständig für finanzielle Angelegenheiten) soll es zudem zu heftigen Streitereien über die künftige Ausrichtung der Pfarre gekommen sein. „Das Finanzielle ist wichtig, die Seelsorge darf dabei aber nicht auf der Strecke bleiben“, betont Wurzer.

Die bisherige Vorsitzende des Pfarrgemeinderatsvorstandes, Julia Reisinger, erklärte vor wenigen Wochen ihren Rücktritt. „Aus privaten Gründen“, wie sie betont. Ansonsten möchte sie die aktuelle Causa nicht kommentieren. Einen wesentlichen Anteil an der Ablöse soll laut Gerüchteküche vor allem der ehemalige SPÖ-Vizebürgermeister Franz Brachinger haben. Er ist erst seit gut einem Jahr Mitglied im Pfarrkirchenrat.

Brachinger selbst dementiert dies zwar gegenüber der NÖN: „Wir wurden selbst erst im Pfarrkirchenrat darüber informiert.“ Weitere Mitglieder des Pfarrkirchenrates bestätigen aber diesen Eindruck.

Nach der Abberufung von Wurzer suchte auch der Ybbser SPÖ-Bürgermeister Alois Schroll das Gespräch mit dem Bischof, um die Hintergründe über die Ablöse zu erfahren. In einem Telefonat wurden diese auch besprochen, die Inhalte bleiben vertraulich, wie Schroll betont, aber: „Ich bedauere, was passiert ist und dass Hans wegkommt.“

Vonseiten der Diözese will man die einzelnen Vorwürfe nicht kommentieren, betont aber, dass mit den Verantwortlichen der Pfarre Ybbs seit vielen Monaten nach einer tragfähigen Lösung für die Zukunft gesucht wird. „In der Vergangenheit gab es in der Gemeinde nicht unerhebliche Spannungen“, erklärt Katharina Brandner, Sprecherin der Diözese St. Pölten. Sie betont aber auch, dass es sich nicht um eine „Strafversetzung“ mit Anfang September handele: „Dieser Zeitpunkt ist üblich, um alle Änderungen hinsichtlich der Funktionen und Aufgaben im Klerus vorzunehmen.“

Der Abgang von Wurzer hatte in Ybbs und in den sozialen Medien heftige Reaktionen zur Folge. Auch von einer geplanten Unterschriftenliste für den Verbleib des Pfarrers war die Rede. Davon hält Hans Wurzer selbst aber wenig. „Das würde die Arbeit für meinen Nachfolger erschweren.“ Wurzers Nachfolger wird der Pole Krzysztof Nowodczynski, aktuell Pfarrer von Kötschach-Mauthen in Kärnten. Er tritt am 1. September seinen Dienst in Ybbs an.