Vor Gericht: Tragischer Unfall mit 2,13 Promille

Erstellt am 29. Juni 2022 | 09:20
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Justiz Gericht Symbolbild
Foto: APA/Webpic
Im März dieses Jahres verursachte ein junger Mann auf der Strecke zwischen Kirnberg und Oberndorf an der Melk einen Unfall. Dabei kam sein Beifahrer und bester Freund ums Leben. Nun musste er sich dafür vor einem Richter verantworten.

Ein Abend im Pub mit seinem besten Freund wurde für den 20-jährigem Angeklagten zum schlimmsten Erlebnis seines Lebens. Die zwei Freunde machten, nachdem sie gemeinsam etwas gearbeitet hatten, einen Abstecher in ein Pub in Purgstall. 

Aus einer kurzen Einkehr wurden zwei Stunden und einige getrunkene Bier. Als sie das Lokal verlassen hatten, soll der Freund offenbart haben, dass sein Vater die beiden nicht wie zuvor ausgemacht abholen könnte. Der Angeklagte gab an, sich geweigert zu haben selbst mit dem Auto zu fahren, deswegen übernahm sein Freund das Fahren. 

Ihr Weg führte sie ins nächste Lokal in St. Georgen. Auch dort soll das eine oder andere Bier geleert worden sein.  Als es Zeit war nachhause zu gehen, lies sich der 20-Jährige, nach eigenen Angaben, aufgrund seiner bereits schweren Alkoholisierung dazu überreden, selbst zu fahren. 

"Er war für mich wie ein Bruder"

Auf einer Freilandstraße zwischen Kirnberg und Oberndorf kam es zum Unfall. Der junge Mann gab an, dass er dachte, ein entgegenkommendes Fahrzeug würde zu mittig fahren, und er hätte versucht auszuweichen. Dabei fuhr er ins Bankett, was das Auto ins Schleudern brachte. Dabei soll es sich mindestens vier Mal überschlagen haben.

"Als ich aufgewacht bin und mich umgeschaut habe, habe ich bemerkt, dass er nicht im Auto ist", so schilderte der 20-Jährige den Vorfall. In der Zwischenzeit war bereits ein 18-jähriger Zeuge aufgetaucht, der den Unfall von Weitem beobachtet hatte. Er hatte die Rettung gerufen und half dem Angeklagten aus dem Auto. 

Gemeinsam sollen die Beiden den Beifahrer auf der Straße gefunden haben. Trotz der Wiederbelebungsversuche der Rettung verstarb der junge Mann noch am Unfallort. "Ich tu mir immer noch schwer, über den Vorfall zu reden. Er war mein bester Freund, er war für mich wie ein Bruder", erklärte der Angeklagte.

Verlust als größte Strafe

Der 20-Jährige wurde selbst auch verletzt. Er zog sich eine Schnittwunde an der Hand und eine Platzwunde am Kopf zu. Auch soll sich herausgestellt haben, dass sein Beifahrer nicht angegurtet war. So spekulierte der Anwalt, dass der junge Mann genauso glimpflich davon gekommen wäre wie der Angeklagte, wäre er angeschnallt gewesen.

Nach einer Blutuntersuchung wurde festgestellt, dass der junge Mann mit 2,13 Promille schwer alkoholisiert war. Seit dem Unfall soll er jedoch keinen einzigen Tropfen Alkohol mehr getrunken haben. Auch mit der Familie seines verstorbenen Freundes versuchte er ins Reine zukommen. 

Die Familie des Opfers lehnte jedoch jegliche Abfindung ab und legte dem Gericht ein Statement vor, in dem sie ihre Unterstützung für den 20-Jährigen ausdrückten. Der Angeklagte sei "wie ein Sohn für uns, daran hat auch das schwere Unglück nichts geändert", so die Eltern und Schwester des Verunglückten. Gleichzeitig baten sie um das Absehen von einer Gefängnisstrafe.

Der junge Mann wurde zu einer bedingten Freiheitsstrafe von acht Monaten und einer Geldstrafe über 7.200 Euro verurteilt. Außerdem wurde Psychotherapie für die Dauer der Probezeit von drei Jahren verordnet. Der Angeklagte habe genug damit zu kämpfen, für den Tod seines besten Freundes verantwortlich zu sein. Das wäre genug Strafe um davon auszugehen, dass er nicht wieder straffällig wird. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.