Kunstprojekt Doora sorgt für Debatte

Kunstwerk um 90.000 Euro bei Hafenspitz in Melk sorgt bereits nach Beschluss im Gemeinderat für viel Diskussion.

Erstellt am 01. Dezember 2021 | 04:54
Lesezeit: 2 Min
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Den neuen Melker Hafenspitz wird künftig ein Kunstwerk im öffentlichen Raum zieren.
Foto: privat

„Mich würde interessieren, was die Bevölkerung von dem ,Kunstwerk’ hält. Für mich ist durch dieses Kunstwerk der traumhafte Blick vom Hafenspitz auf unser wunderschönes Stift getrübt“, macht FPÖ-Gemeinderat Rudolf Kuntner über das neue Kunstwerk „Doora“ seinen Unmut Luft. Mit seiner Meinung über das rund vier Meter Hohe und insgesamt 90.000 Euro teure, 10.000 Euro muss die Stadtgemeinde Melk bezahlen, Kunstwerk ist er dabei nicht alleine.

Aber der Reihe nach: Im Rahmen des Projektes „Kunst im öffentlichen Raum“ wurde im Rahmen einer Jury-Sitzung unter vier Bewerbern ein Kunstwerk für den Hafenspitz auserkoren. Aktuell wird an den Projektdetails gearbeitet, 2022 soll es umgesetzt werden. In der Ausschreibung für die Künstler war dabei wichtig, dass zentrale Aspekte des Ortes, wie die elementare wie kulturverbindende Kraft der Donau, die markante Lage am ‚Tor‘ der Wachau und die Nutzung durch Touristen sowie die lokale Bevölkerung im Projekt Widerhall finden. Die Künstlerin überzeugte laut Stadtgemeinde Melk durch die positive wie reizvolle Erzählung, thematische Verwebungen und vielschichtigen Materialien. Für Stadtchef Patrick Strobl (ÖVP) steht jetzt schon fest: „Doora wird eine Landmark werden, die von Melk bis weit hinein in die Wachau wirken wird. Ich bin schon sehr gespannt auf die Umsetzung und freue mich auf das fertige Werk.“

Doora stammt von der in der Kunstszene bekannten estischen Künstlerin Kris Lemsalu. Inspiriert wurde Lemsalu von historisch und örtliche verwurzelten „Mischwesen“ wie dem Donauweibchen oder dem Vogel-Mensch-Mischwesen, einer Keramik aus der Jungsteinzeit, die in den 1930er-Jahren bei Straßenarbeiten am Hopfenbühel bei Melk entdeckt wurde und heute im Stadtmuseum Melk zu sehen ist.

Mischwesen aus Fisch, Vogel, Mensch und Tor

Laut der Künstlerin handelt es sich bei Doora um ein Mischwesen aus Fisch, Vogel, Mensch und Tor, das in der Neuzeit angekommen ist. „Ihr Umriss wandelt sich, wenn man sich ihr nähert. Von fern ahnt man ein menschliches Gesicht. Von Nahem erkennt man eine sagenhafte Gestalt, die einlädt, kurz anzuhalten“, beschreibt Lemsalu ihr Werk.

Auch das Material nimmt Bezug auf den Aufstellungsort: Der Korpus wird von einer Kupferschicht überzogen, die vorab bearbeitet wird, um von Beginn an eine vielfarbige Patina aufzuweisen – sie wird sich im Laufe der Zeit weiter verändern. Bei Hochwasser „schwimmen“ die Reifen und ihre Augen sollen über das Wasser hinwegblicken.

Neben der FPÖ enthielten sich auch große Teile der SPÖ ihrer Stimme für das Kunstwerk, einzig Stadträtin Sabine Jansky stimmte dafür. Warum? „Kunst liegt im Auge des Betrachters. Mein Zustimmen zielte auf die Förderungen und den Betrag der Stadt Melk ab“, erklärt Jansky, die auch daran erinnert: „Kunst braucht auch Raum. Auch die Nase in der Wachau sorgte zuerst für viel Diskussionen.“ Für die Grünen ist Doora eine „gelungene Installation.“

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