Melk

Erstellt am 10. Juli 2018, 05:11

von Markus Glück und Denise Schweiger

Nach Rallye-Event herrscht dicke Luft. Während sich tausende Fans an Rallye-Autos erfreuten, beklagen sich Bewohner über wenig Infos und mangelnde Sicherheitsvorkehrungen.

Ein seltener Anblick: Während der Rallye fuhren die Autos auch durch die Melker Innenstadt.
 
 |  Nina Fahrnberger

Zwei Tage dröhnte über der Bezirkshauptstadt Motorengeräusch. Grund dafür war die erstmalige Austragung des Gruppe B Rallyelegenden-Events, welches tausende Zuschauer anlockte. Für VP-Tourismus-Stadtrat Peter Rath war das Event eine perfekte Werbung für den Tourismusort. „Die Zuschauer hatten ihren Spaß und die Hotels waren ausgebucht“, freut sich Rath, der selbst begeisterter Rallyesportler ist, dass das Event wieder in Melk stattfindet.

Hört man sich unter der Melker Bevölkerung um, dürfte Rath mit diesem Wunsch aber relativ alleine sein. Der NÖN liegen mehrere Stellungnahmen von Bürgern vor, die die Veranstaltung heftig kritisieren. „Es gab keine Ankündigung für die Anrainer, wir wurden unserer Freiheit beraubt und konnten unsere Häuser nicht verlassen“, ärgert sich ein Melker Ehepaar (die Namen sind der Redaktion allesamt bekannt).

VP-Stadtrat Peter Rath wischt Kritik vom Tisch

Aussagen, die VP-Stadtrat Peter Rath vom Tisch wischt: „Alle Anrainer, die es betrifft, haben eine Information erhalten. Darin stehen auch alle Details zur Veranstaltung.“ Der Stadtrat nimmt dabei auch Bezug auf andere Events in der Stadt. „Andere hören im Sommer jeden Tag die

VP-Stadtrat Peter Rath hofft auf eine Fortsetzung der Rallye im kommenden Jahr.
 
 |  Stadt Melk/ Gleiß

Sommerspiele und können Mitte August schon die Texte mitreden“, betont Rath. Von einer Zwangsbeglückung durch den Motorsport spricht dagegen eine weitere Melkerin: „Wie kann es sein, dass durch unsere Ortschaften Autorennen stattfinden?“ Heftige Kritik gibt es auch von den Grünen. „Ich frage mich, ob dies zeitgemäß ist, in der Tourismussaison die Innenstadt für Rallyeautos zu sperren“, ärgert sich Grünen-Gemeinderätin Bettina Schneck.

Unterstützung erhält sie von ihrem Parteikollegen Stadtrat Emmerich Weiderbauer: „Wir hören immer als Argument, dass wir den einen Tag ja aushalten, die einen Tage häufen sich aber mittlerweile. Wenn es wer braucht, kann er ja direkt am Wachauring fahren. In der Innenstadt ist das entbehrlich.“

Ein weitaus größerer Kritikpunkt sind die von Bewohnern festgestellten mangelnden Sicherheitsvorkehrungen. „Wer trägt die Verantwortung für die fehlenden Sicherheitsmaßnahmen? Man sah Kinder, die unter der Absperrung Platz genommen haben. Autos fetzten mit 100km/h durch die Abt-Karl Straße“, ärgert sich ein Melker. Eine weitere Bürgerin berichtet, dass ein Rallye-Auto eine Abkürzung durch ihren Vorgarten genommen hat.

Tatsächlich kam es zu einer brenzligen Situation, wie ein der NÖN übermitteltes Video zeigt. Dabei verlor ein Fahrer die Kontrolle über sein Gefährt und krachte in die Gehsteigkante, das Auto wurde schwer beschädigt. Augenzeuge dabei war der Sohn von SP-Stadtrat Jürgen Eder, der vom Vorfall Splitter in der Hand davon trug. „Wenn dort kein Baum gestanden wäre, möchte ich mir nicht ausmalen, was passiert wäre. Die Gefahr für ein Rennen durch die Stadt ist zu hoch, die Bevölkerung gehört informiert und nicht eingesperrt“, ärgert sich Eder, der das Sicherheitskonzept der Stadtgemeinde heftig kritisiert.

„Alles, was zerstört wurde, wird ersetzt“

Den Versuch, zu beruhigen, startet Rath: „Die Sicherheitsvorkehrungen waren korrekt, sonst hätten wir keine Genehmigung bekommen. Alles, was zerstört wurde, wird auch ersetzt. Es kann bei einer Rallye vorkommen, dass ein Verkehrszeichen oder ein Baum umgelegt wird.“ Gespannt ist man in der Bevölkerung auch, wie mit Abrieb- und Bremsspuren auf der Straße umgegangen wird. „Unser Asphalt ist nicht für eine Rallye ausgelegt“, schüttelt ein junger Melker den Kopf.

Bereits während des Events formierte sich auf Facebook der Widerstand, heftige Diskussionen und Wortgefechte waren die Folge . Noch am Sonntag wurde eine Petition an den Gemeinderat ins Leben gerufen, die weitere Autorennen in der Altstadt verhindern soll. Unterstützung für das Anliegen signalisiert Weiderbauer: „Wir werden alles unternehmen, um ein derartiges Event in der Zukunft zu verhindern.“