Bei Streit um Parkplatz Revolver gezogen. Ein Nachbarschaftsstreit endete vor dem Landesgericht St. Pölten. Unklare Aussagen der Gegenpartei führten zu einem Freispruch.

Von Tanja Horaczek-Gasnarek. Erstellt am 16. Juli 2020 (04:10)
Vor Angst zog der Nachbar die Waffe.
Shutterstock

Die ländliche Idylle in einer Wohnsiedlung wurde durch Streitereien zwischen zwei Parteien gestört. Völlig esaklierte die Situation, als ein Nachbar dann die Waffe zog (die NÖN berichtete), letztendlich von der Wega abgeführt wurde und sich jetzt vor Gercht verantworten musste.

Doch wie kam es dazu? Ein Pensionist hatte erst seinen Zaun neu gemacht und wollte diesen nicht beschädigt haben. Zu nah parkende Autos beobachtete er stetig. Darunter auch den Wagen eines Nachbarn. Als der Mann diesen dann fotografierte, kam es zu einer verbalen Auseinandersetzung mit dem Gegenüber. Bei seiner Aussage vor dem Landesgericht St. Pölten erklärte der Angeklagte, dass sein Nachbar ihn wüst beschimpfte.

„Er schrie mir zu, dass er mir mein Handy in den Arsch schieben würde“, teilte der Pensionist mit. Aus Angst habe er dann geantwortet: „Ich hol meinen Revolver.“ „Mein Mandant hatte Todesangst. Denn er kannte seinen den Ruf. Weiters hat er ihn auch bespuckt und das obwohl laut den Corona-Maßnahmen ein Mindestabstand herrschen sollte“, betonte sein Anwalt.

Der Nachbar wollte laut Aussage, dann nur den Wagen umstellen, doch dann trafen die Streithähne wieder aufeinander. Die Richterin befragte die drei Zeugen unabhängig von einander, wie es dazu kam, dass der Angeklagte die Waffe zog. „Ich wollte nur den Streit schlichten. Aber als er dann den Revolver gegen meinen Mann richtete, warf ich mich dazwischen“, berichtete die Lebensgefährtin des Zeugen, die seither unter Depressionen leidet.

Der Bruder des Bedrohten sagte nur: „Der Angeklagte hat uns angegriffen.“ Doch bei genaueren Fragen der Richterin, verstrickten sie sich in verschiedenen Versionen. Für eher schlüssig hielt die Richterin jedoch die Aussage des Angeklagten. Daher gab es einen Freispruch. Begründung: Die Gegenpartei brachte verschiedene Versionen des Vorfalls. Weiters glaubte sie, dass sich der Pensionist fürchtete. Immerhin hatte der Nachbar gegen die Coronaauflagen verstoßen.