Erstellt am 12. Juni 2018, 04:00

von Jutta Streimelweger

Donauuferbahn-Brücke: Erneut Protest für Abbruch-Stopp. Arbeiten bei Donauuferbahn-Brücke in Granz laufen. Loja zeigt nun konkretes Interesse an Schottertransport auf Trasse .

Die Initiative Verkehrswende NÖ plant am Dienstag um 15 Uhr einen erneuten Protest in Marbach. Dieses Mal bei der Brücke in Granz, wo ein Abbruchstopp erwirkt werden soll.  |  privat

Trotz des Protestes gegen den Abriss der Donauuferbahn-Brücke im Marbacher Ortsteil Granz fuhren schon tags darauf die Bagger auf. Während am Mittwoch noch rund 70 Personen mit Plakaten und Liedern für den Erhalt der Trasse der Donauuferbahn demonstrierten, ist diese in Granz inzwischen Geschichte. Sprüche wie „Stoppt den Abrisswahn! Die Bahn soll wieder fahrn!“ halfen gegen die Pläne der NÖVOG und Landesregierung nichts.

Aber zurück: Noch am Mittwoch war die Welt für die Abrissgegner zwar nicht heil, aber die Hoffnung da: „Es steht eine Arbeitsbesprechung mit einem örtlichen Unternehmen an, das die Trasse wahrscheinlich für Transporte nutzen möchte. Zwischen 100.000 und 300.000 Tonnen sollen jährlich transportiert werden“, erklärte Josef Baum von der Initiative Verkehrswende NÖ. Bei dem Unternehmen dürfte es sich um die Loja handeln, die bereits in den Jahren zuvor den Schottertransport über die Gleise evaluiert hatte. Die Zuversicht war groß; dass die Brücke in Granz bald abgebrochen werden könnte, hatten die Gegner aber schon im Hinterkopf.

„Das Ziel unserer Bemühungen ist jetzt ein Abbruchstopp bei der Brücke in Granz!“Josef Baum, Initiative Verkehrswende NÖ

Beim Protest war auch SP-Bürgermeister Anton Gruber, hingegen seines NÖN-Statements, sich eigentlich nicht an Protesten beteiligen zu wollen: „Von 108 Kilometern werden hier 19 Kilometer Trasse herausgerissen und in Oberösterreich baut man die Donauuferbahn sogar aus. Das ist sinnlos. Dass es sich bei den betroffenen Orten auch noch um SP-Gemeinden handelt, sorgt für einen schalen Beigeschmack.“ Die Eisenbahn habe für Marbach auch im Ernstfall eine wichtige Bedeutung: „Beim Hochwasser haben wir hier Material transportiert und als die Westbahnstrecke beschädigt war, war die Donauuferbahn die Ausweichstrecke.“ Zudem sei der Abbruch, der gerade läuft, kostspielig – schließlich könnten die Gleise ja auch einfach bestehen bleiben.

Nun stehen die Abrissgegner aber vor fast vollendeten Tatsachen: Die Brücke wird abgebrochen, die Arbeiten laufen. Abrücken will das Land NÖ davon nicht, man beruft sich auf das Eisenbahngesetz, welches eine Auflassung der Trasse vorsieht: „Der Rückbau ist aufgrund eines Bescheids gesetzlich vorgeschrieben. Das Land kann das Recht nicht biegen“, heißt es aus dem Büro von Verkehrslandesrat Ludwig Schleritzko.

Beim Protest: Helmut Wallner von den Grünen, Josef Baum von der Initiative Verkehrswende NÖ, SP-Ortschef Anton Gruber, Karl Weinauer und Wilhelms Kleinhofer (v. l.).  |  Streimelweger

Die NÖVOG verweist auf eine Machbarkeitsstudie aus dem Jahr 2013, aus welcher hervorgeht, dass eine touristische Nachnutzung der Strecke Emmersdorf – Sarmingstein nicht möglich sei. „Darüber hinaus wurde auch eine Nachnutzung des Abschnittes Loja – Weins-Isperdorf zum Zweck der Schottertransporte geprüft. Eine weitere Nutzung dieser Strecke war jedoch durch den betroffenen Betrieb wirtschaftlich nicht darstellbar, sodass auch diese Nutzung nicht realisiert werden konnte“, erklärt Sprecherin Katharina Heider-Fischer. Die Kosten für den Abbruch belaufen sich laut NÖVOG auf 25.000 Euro, getragen werden sie von der Verkehrsorganisationsgesellschaft selbst.

Geschlagen geben wollen sich die Abrissgegner der Initiative Verkehrswende NÖ aber nicht: Bereits am Dienstag um 15 Uhr gibt es eine weitere Kundgebung – dieses Mal bei der Brücke in Granz. „Das Ziel ist der Abbruchstopp“, betont Baum und hofft auf viele Unterstützer: „Damit sich die Bemühungen bezüglich des Schotter-Transports auf der Bahn auch betriebswirtschaftlich im Detail konkretisieren lassen.“ Noch sei der Abbruch nicht irreparabel fortgeschritten.

Die Loja selbst war für die NÖN leider für keine Stellungnahme bis Redaktionsschluss erreichbar.