Die Säule des Anstoßes in St. Leonhard. Schief oder gerade? Gefährlich oder nicht? Die Familiensäule am St. Leonharder Hauptplatz erhitzte die Gemüter – inklusive Polizeieinsatz.

Von Michael Bouda. Erstellt am 24. April 2019 (09:14)
Michael Bouda
Die Familiensäule am St. Leonharder Hauptplatz, gesichert durch mehrere Gurte, sorgte für heftige Diskussionen.

Die Familiensäule stand vergangene Woche nicht nur wie schon seit rund 200 Jahren im Ortskern St. Leonhards, sondern auch im Zentrum ausgewachsener Meinungsverschiedenheiten. Begonnen hatte alles mit einem öffentlichen Schreiben von Josef Lueger, seines Zeichens Gemeinderat der Bürgerliste, Baugeologe und als solcher auch Gerichtssachverständiger. Die Familiensäule habe sich, schreibt Lueger in der Aussendung vom Samstag der Vorwoche, um ein bis zwei Grad geneigt, was mit den Bauarbeiten im Rahmen der Neugestaltung des St. Leonharder Hauptplatzes zusammenhängen könnte. Damit seien einerseits die Säule selbst und andererseits Menschen in Gefahr.

Die Gemeinde reagierte gleich am Montag, wie Bürgermeister Hans-Jürgen Resel (VP) erläutert: „Wenn es ein Problem gibt, muss man dem natürlich umgehend nachgehen – und das haben wir gemacht.“ Unter der Beteiligung verschiedener Unternehmen wurde die Säule mithilfe von Lasern vertikal und horizontal vermessen. Das Ergebnis wischt für Gerhard Dragovits, Projektkoordinator der Gemeinde und unabhängiger Gemeinderat, alle Sorgen vom Tisch: „Ich kann nach erfolgter Überprüfung mittels Laser versichern, dass die Säule aufrecht und gerade steht und die Standfestigkeit gegeben ist.“

Lueger kritisiert, dass die Vermessung nicht von unabhängigen Stellen durchgeführt wurde und stößt sich an den Ergebnissen: „Ich habe mit einem sogenannten Gefügekompass nachgemessen und dabei ist eine Verstellung von einem knappen Grad herausgekommen.“

Auf Vermessung folgte Auseinandersetzung

Diese Überprüfung nahm Lueger am vergangenen Freitagvormittag vor, als Baustellenkoordinator Johann Vonwald zufällig von seinem am Hauptplatz befindlichen Büro zu einem nahegelegenen Geschäftslokal unterwegs war. „Ich habe gesehen, wie Herr Lueger bei der Säule war und ihn ersucht, er möge die Baustelle verlassen. Diese ist mit einem Metallbauzaun abgesperrt und Schilder weisen darauf hin, dass nur Befugte die Baustelle betreten dürfen“, erklärt Vonwald.

Lueger gibt an, dass für ihn kein Schild ersichtlich gewesen sei und es eine offene Stelle im Baustellenzaun gegeben habe. Er begab sich daraufhin in sein Auto. Da Vonwald aber noch klarstellen wollte, dass eine Begehung der Baustelle kein Problem, aber eben nur unter Aufsicht möglich sei, konnte Lueger nicht wegfahren. „Ich hätte nur wegfahren können, indem ich ihn (Vonwald; Anm.) wegschubse. Das tue ich natürlich nicht. Aber er hat mich in meiner Freiheit beschränkt, dazu könnte man Nötigung sagen“, erklärt Lueger, warum er deshalb die Polizei verständigte. Als diese eintraf, hatte sich die Situation bereits beruhigt, Lueger den Hauptplatz mit seinem Auto verlassen.

Unterm Strich sei für Lueger aber nun alles erledigt: „Mir geht es darum, dass die Säule keinen Schaden nimmt. Nach meinem Schreiben ist sie mit Stricken befestigt worden. Das werte ich als indirektes Geständnis.“ Vonwald entgegnet, dass die Sicherung bereits seit knapp einem Jahr bestanden habe und auch Dragovits wendet ein: „Die Sicherungsmaßnahmen waren Teil der Ausschreibung – wir haben uns von Beginn an Gedanken darüber gemacht.“

Vollständig werden die Beteiligten wohl auf keinen grünen Zweig kommen. Ein gerichtliches Nachspiel wird es aber nicht geben.