Fulminante Premiere der Sommerspiele. „Babylon“ erwacht - und mit der Premiere des diesjährigen Sprechstückes starteten vergangenen Mittwoch die Melker Sommerspiele.

Von Denise Schweiger und NÖN-Redaktion, APA. Erstellt am 20. Juni 2019 (08:17)

Bei den Sommerspielen Melk in der Donauarena vor der prächtigen Kulisse des Stiftes gehen Mythos und Pathos wieder eine dramatisch wuchtige Verbindung ein. Am Mittwochabend ist "Babylon", ein Auftragswerk von Feridun Zaimoglu und Günter Senkel, in der Inszenierung des Intendanten Alexander Hauer zur Uraufführung gelangt und freundlich aufgenommen worden.

Wie Salzburg seinen "Jedermann" vor dem Dom hat, kann Melk aus seinen passions- und mysterienspielartigen Aufführungen eine gewisse Tradition herleiten. Es sind immer große Welttheater-Themen, biblische Stoffe oder historische Ereignisse, die bühnengerecht adaptiert werden. Diesmal also Babylon - Sinnbild menschlicher Hybris und übersteigerten Ehrgeizes, größenwahnsinniger Machtgelüste und lüsterner Sinnesart, Turmbau und Sprachenverwirrung inklusive. Dass sich die beiden Autoren weniger an der jüdisch-christlichen Erzählung aus alttestamentarischer Perspektive, sondern eher an sumerischen Überlieferungen orientieren, verringert den allzu moralisierenden Blickwinkel.

Das von Daniel Sommergruber gestaltete Bühnenbild enthält wieder die schon bekannten und bewährten funktionalen mobilen Elemente, die Kostüme von Julia Klug sind hübsch und gediegen, bis auf die futuristischen Plastikhüte der Götter. Die musikalische Untermalung von Gerald Huber-Weiderbauer und Christoph Richter ist meist dezent, aber doch sehr präsent und generiert Spannung. Giuseppe Rizzo als König Emmerkar, Maxi Blaha als Königin Ninegala und Dagmar Bernhard als göttliche Konkubine bilden das personelle Kernteam.

Während allerorts der Versuch unternommen wird, klassische Stücke möglichst gegenwartsrelevant zu inszenieren, scheint hier eher das Gegenteil abzulaufen: Zwei zeitgenössische Autoren schreiben ein Schauspiel, das ebenso gut vor 300 Jahren entstanden sein könnte. Es wird viel deklamiert, viel im Chor gesprochen (schön sind die polyphon verrutschenden Passagen der beginnenden babylonischen Sprachverwirrung). Heroische Gestik, altertümliche Sprache: keine Berührungsängste gibt es mit dem Stil des Altehrwürdigen - auch wenn Emmerkar am Ende nüchtern feststellt: "Das Alte stirbt niemals, Königin, das Alte erwacht und beißt uns tot." Die Antwort der Königin: "Noch wehren wir uns."

Als zweite Produktion steht in Melk von 10. Juli bis 14. August wieder eine Musikrevue ("fly me to the moon") auf dem Spielplan. 2020 wird es wieder biblisch, angekündigt werden "Die X Gebote".