Melk

Erstellt am 15. Januar 2019, 04:00

von Markus Glück

Neue Ideen für Altstadt-Belebung. SPÖ lud zur Diskussion über die Zukunft der Innenstadt. Besorgt zeigen sich Bürger über das Projekt „Boulevard“.

Diskutierten über die Altstadt: Moderator John Haas, Thomas Heherl, SP-Stadtrat Jürgen Eder, Sascha Schroll, Bettina Schneck (Grüne) und Gerhard Schuberth (VP).  |  Glück

Mehr als 80 Altstadt-Unternehmer und Melker Bürger, darunter auch Vertreter von ÖVP und Grüne sowie Zunftzeichen-Obfrau Ilse Kossarz, folgten der Einladung der SPÖ Melk zu den ersten Melker Gesprächen zum Thema „Altstadt“.

Nach einem Impulsvortrag von Architekt und Innenstadt-Unternehmer Sascha Schroll folgte ein Statement vom zuständigen Stadtrat für die Altstadt Peter Rath. Er las dabei einen Brief des Bürgermeisters zur Thematik vor, in dem dieser die verschiedenen Bürgerbeteiligungsprojekte zur Innenstadt erwähnte. Danach verließ Rath nach wenigen Minuten die Veranstaltung in Richtung Stift, wo zeitgleich der Neujahrsempfang von Stift Melk und politischen Vertretern der Stadt stattfand. Ein Umstand, der bei einigen Beteiligten für Irritationen sorgte. „Ich habe mir zumindest erwartet, dass sich der zuständige Stadtrat bei dieser Diskussion Zeit für die Anliegen der Wirtschaft nimmt“, meinte ein Unternehmer nach der Diskussion, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will.

Geteilte Meinung zu Parkplätze-Vorschlag

Gespalten zeigten sich die Menge beim Vorschlag von Grünen-Stadtrat Emmerich Weiderbauer, der appelliert, zumindest in der Tourismussaison auf die fünf Parkplätze am Hauptplatz zu verzichten: „Damit wäre eine schönere Hauptplatzgestaltung möglich.“ Ein Argument, das auch Schroll in die Diskussion einbringt. Für ihn fehlt es am Hauptplatz an Verweilqualität, zu dem ein holpriges Pflaster und fehlende Schattenspender ebenso beitragen.

Einige Bürger zeigten sich auch über das Projekt „Boulevard“ – eine Verbindung zwischen Löwenpark und Altstadt – besorgt. „Wir müssen aufpassen, dass damit die Innenstadt nicht ausstirbt“, warnte ein Teilnehmer vor dem Projekt. Ähnlich kritisch sieht das von der Stadtgemeinde auserkorene „Leuchtturmprojekt“ auch Architekt Clemens Aichinger: „Ein Projekt mit Investoren, bei dem die Gemeinde nicht im Vorfeld Bedingungen vorgibt, endet zu 99 Prozent in einer Katastrophe.“ Senior-Chefin Eda Leopoldinger, vom gleichnamigen Schuhgeschäft in der Altstadt, kritisierte, dass der Innenstadt in den letzten zehn Jahren viel zugemutet wurde.

„Mit der Eröffnung des Löwenparks hat man in der Altstadt mit dem Hochwasserschutz begonnen, danach folgte eine Pflasterung, wo sich alle Kunden beschwerten. Seit 2016 geben wir als Unternehmen zudem 600 Euro für Parkscheine aus“, meint Leopoldinger. Bedarf gibt es laut den Bürgern aber auch an einem Nahversorger in der Innenstadt. Außerdem wird ein öffentliches Verkehrsnetz gewünscht.

Schuberth: "Jammern auf hohem Niveau"

Viel Kritik, die VP-Gemeinderat Gerhard Schuberth zu weit ging: „Wir jammern auf hohem Niveau. Ich kann nicht mehr hören, dass die Stadt stirbt.“

Die SPÖ will die gesammelten Ideen für die Belebung der Altstadt nun auswerten und in wenigen Wochen präsentieren. „Ich sehe die große Anzahl an Personen, die heute gekommen ist, als Auftrag an uns, die Anliegen in den Gemeinderat zu transportieren und den Stillstand bei der Belebung der Altstadt zu beenden“, betont SP-Stadtrat Jürgen Eder nach dem Event. Er möchte im nächsten Ausschuss bereits Maßnahmen für ein professionelles Stadtmarketing treffen und Meinungen dazu einholen.