Melker Rapper: So sind wir nicht - oder doch?. Von Ibiza bis zum Buwog-Skandal: Jakob Kammerer aus Melk rappt über Korruption.

Von Denise Schweiger. Erstellt am 13. Mai 2021 (04:23)
Von den verheißungsvollen Aufnahmen aus der Finca in Ibiza inspiriert: Angel Vassilev und Jakob Kammerer, alias „Knecht Albrecht“. Wo die Oligarchennichte blieb? „Wir wollten die Teilnehmerzahl aufgrund der aktuellen Situation gering halten.“
Verena Moser, Verena Moser

Die legendäre „b’soffene G’schicht“ auf Ibiza, die verheißungsvolle Frage „Wo woa mei Leistung?“ am Telefon – auf dem österreichischen Polit-Parkett wurde in der Vergangenheit schon des Öfteren „Tango Korrupti“ getanzt.

Alles Einzelfälle? „Wohl kaum“, findet Jakob Kammerer aus Melk. Der bekannte Musiker – seit 2015 erobert er mit dem „Kammerer OrKöster“ die Jazz-Szene des Landes – widmet sich seit nunmehr drei Jahren als „Knecht Albrecht“ dem Rap-Genre. In seiner neuen Single „So sind wir nicht“ gibt es eine Abrechnung mit der österreichischen Korruption auf die Ohren.

„Ich hatte die Idee, so einen Song zu machen, schon länger“, sagt Kammerer. Am 17. Mai jährt sich die Ibiza-Affäre zum zweiten Mal – ein gutes Datum für den Release, dachte sich Kammerer.

Mitte Dezember des Vorjahres begann der 29-Jähriger gemeinsam mit dem Wiener Produzenten Angel Vassilev, am Song zu feilen. „Ich hatte schon ein paar Textzeilen, wir haben dann einfach mal herumprobiert. Angel hatte dann ein paar Vorschläge für den Beat und wir haben geschaut, wie das Ganze am besten ‚flowt‘“, schmunzelt Kammerer.

Neue Skandale bieten neue Vorlagen

Herausgekommen ist ein packender Rap-Song, in dem der Melker in rasender Geschwindigkeit und mit Biss die „Glanzmomente“ der Innenpolitik des Landes Revue passieren lässt. Ob es nicht schwierig ist, so komplexe Themen wie Wirtschaftskriminalität in ein paar Rhymes zu verpacken?

„Es ist schon eine Herausforderung, aber es hat mir großen Spaß gemacht. Ich hab‘ mich in diverse Kapitel der österreichischen Geschichte eingelesen und versucht, mit markanten Anspielungen zu arbeiten“, gibt Kammerer Einblick. „So sind wir nicht, es ist nur der eine, jedes Kind hier weiß: Lügen haben nur zwei Beine“ heißt es etwa im Refrain von „So sind wir nicht“.

Oder sind wir doch so? In den neuerlichen Skandalen Österreichs – Stichwort Stellenausschreibungen oder etwa Spaziergängen mit Laptops – schöpft der 29-Jährige nämlich bereits Inspiration für neue Songs. „So sind sie, die Politiker“, lacht Kammerer, „sie gönnen einem keine Zeit zum Durchschnaufen!“