Politiker-Besuch sorgt für Debatte. Kritik an Einladung von VP-Bundesratspräsident Karl Bader. Schule und Gemeinde betonen, dass keine Parteipolitik dahintersteckt.

Von Michael Bouda, Markus Glück und Denise Schweiger. Erstellt am 19. November 2019 (05:00)
An der NMS Hürm berichtete VP-Bundesratspräsident Karl Bader vom Beruf als Politiker.
Bouda

Knapp zwei Monate sind es noch bis zur Gemeinderatswahl, der Wahlkampf nimmt allerorts Fahrt auf. Eine sensible Zeit – gerade für einen Politiker-Besuch an einem sensiblen Ort wie einer Schule.

Vor Kurzem besuchte Karl Bader, seines Zeichens VP-Politiker und Bundesratspräsident, die NMS Hürm. Und die Kritik daran ließ nicht lange auf sich warten. „Gute politische Bildung muss Schülern einen Einblick in die Arbeit parlamentarischer Institutionen geben – aber da gibt es mehr als nur eine Partei. Eine so einseitige Präsentation ist problematisch und entspricht auch nicht den Grundsätzen für einen ausgewogenen Unterricht“, sagt SP-Bezirksvorsitzender Günther Sidl.

Grünen-Bezirkschef Emmerich Weiderbauer schlägt in dieselbe Kerbe: „Politiker sind in Schulen möglich und auch notwendig, aber bitte mit Fingerspitzengefühl. Einseitige Einladungen von Politikern der ÖVP sind strikt abzulehnen.“ Ähnlich sieht es FP-Bezirksobmann Richard Punz: „Einzelbesuche von Politikern sind abzulehnen, egal welcher Couleur. Ich würde mir Politik raus aus der Schule wünschen und hätte lieber Podiumsdiskussionen, wo jede Partei jemanden entsenden kann.“

NOEN

Nahrung hatte die Kritik durch das Facebook-Posting der Volks- und Mittelschule Hürm bekommen, das unter anderem mit den Hashtags #övp und #sebastiankurz versehen war. Und es war nicht der erste Einzelbesuch eines VP-Politikers an einer niederösterreichischen Schule. Im Frühjahr 2019 hatten bereits die Vorträge der VP-EU-Wahl-Kandidaten Lukas Mandl und Othmar Karas für Kritik gesorgt.

Vonseiten der NMS Hürm betont man, dass keine Parteipolitik hinter dem jüngsten Besuch von Bader stecke. Im Rahmen des Fachs Berufsorientierung würden generell verschiedene Berufe vorgestellt und die Schüler der 3. und 4. Klasse hätten sich bereits vor mehreren Monaten gewünscht, das Berufsbild des Politikers kennenzulernen. „Die Schüler wollten wissen, wie man Politiker wird und sie haben gleich gesagt, dass sie das gerne Sebastian Kurz fragen würden“, erklärt Direktorin Ingeborg Lechner. Da Kurz erst im Juni 2020 Zeit gehabt hätte, wurde Bader als langjähriger Politiker und Bundesratspräsident entsandt.

„Ist nur um den Beruf als Politiker gegangen“

„Ich kann die Kritik gut verstehen“, sagt Lechner. „Aber es ist nur um den Beruf des Politikers gegangen – es war überhaupt nicht parteipolitisch.“ Das bestätigt auch Bader selbst: „Es war weit entfernt von parteipolitischer Indoktrination. Es ist nicht um einen ÖVP-Politiker gegangen, sondern um den Beruf des Politikers.“

Konfrontiert mit den Sorgen der Opposition kann VP-Bezirkschef Karl Moser nur den Kopf schütteln: „Anstelle dass sie froh sind, dass ein so hochrangiger Politiker den Schülern Einblicke gewährt, orten sie schon wieder Parteipolitik. Das ist fehl am Platz!“

Insofern war Baders Besuch auch für Hürms VP-Bürgermeister Johannes Zuser unproblematisch: „Die Klassen können sich Vertreter verschiedener Berufsbilder einladen und dieses Jahr wollten sie einen Politiker. Es ist um den Berufsstand gegangen.“

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