Quarantäne-Aus im Bezirk Melk: „Arztpraxis wird zur Schreibstube“

Erstellt am 10. August 2022 | 04:22
Lesezeit: 3 Min
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Der Fall der Quarantäne ist für Silvia Rupp ein Schritt in die Normalität. 
Foto: Christina Rupp
Das Aus der Quarantäne wirft Fragen nach Krankschreibungen und Informationspflicht auf. Ein Stimmungsbild aus dem Bezirk Melk.

Seit Kurzem schreibt der Bezirk – ähnlich dem Österreich-Trend – wieder fallende Corona-Zahlen (siehe Seite 8). Wenn der Covid-Test trotzdem zwei Striche anzeigt, muss man nun nicht mehr zuhause ausharren. Mit Anfang August fiel die Absonderungspflicht. Für Betriebe und die Medizin bleibt dies nicht ohne Folgen.

Wirtschaftskammer sieht Belastung durch Mehrkosten. Falls eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter coronabedingt krankgeschrieben werden muss, bleiben die Kosten nunmehr beim Arbeitgeber hängen. Einen Vergütungsanspruch gibt es nur mehr in Ausnahmefällen, etwa wenn das durchgehende Arbeiten mit Maske nicht möglich ist und es keine anderweitigen Schutzmaßnahmen gibt, heißt es aus der Wirtschaftskammer NÖ. Für Betriebe ist dies mitunter eine Bürde: Die Mehrkosten seien eine zusätzliche Belastung für die Unternehmen. Die Wirtschaftskammer appelliert hier an die Ärzteschaft, die Krankschreibungen „verantwortungsvoll und mit Augenmaß umzusetzen“. Auch in Sachen Informationspflicht für die Kunden fehlen einstweilen die konkreten Regelungen, heißt es.

Petzenkirchner Mediziner warnt vor epidemiologischen Folgen. Den Verzicht auf Absonderungsbescheide kann Landarzt Florian Hoffer aus Petzenkirchen kaum nachvollziehen. Die Schwierigkeit sieht er vor allem in den Krankschreibungen: „Die Firmen möchten verständlicherweise keine positiv getesteten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Arbeit sehen, wir können aber nur symptomatische Patienten krankschreiben“, erklärt er. Die telefonische Krankschreibung ist für ihn keine Alternative, er habe dies nie wirklich umgesetzt: „Die Arztpraxis wird immer mehr zur Schreibstube für Bestätigungen und Atteste aller Art – das muss ein Ende finden“, warnt er. Für den epidemiologischen Verlauf sei der Fall der Quarantäne ebenso nachteilig. Krankenhäuser seien weiterhin am Limit, genau wie die Hausärzte: „Diese Woche konnten wir in der Ordination jedenfalls deutlich steigende Zahlen feststellen, etwa jede dritte Infektionserkrankung war Covid“, sagt Landarzt Florian Hoffer.

Kaum Änderungen für einen der größten Arbeitgeber im Bezirk. Trotz Wegfall der Absonderungspflicht wird es beim Baustoffhändler Ardex in Loosdorf zu „keinen strategischen Änderungen“ kommen, schildert der Covid-Beauftragte Martin Mayer. Das Präventionskonzept bleibe weiter aufrecht, die digitalen Möglichkeiten rund um das Homeoffice werden zudem ausgeschöpft. Um die Ansteckungsgefahr zu mindern, würden die Produktionsmitarbeiter außerdem in kleinen, getrennten Teams arbeiten, erzählt er.

Figaros: Diskrepanz zwischen Mehrkosten und Personalmangel . Von einer zweiteiligen Lage spricht Silvia Rupp, Landesinnungsmeisterin für Friseure und Friseursaloninhaberin in Golling. „Man sucht händeringend Personal. Bei verpflichtender Quarantäne sind diese teilweise symptomlos zuhause gesessen, jetzt wiederum muss man die Kosten tragen“, wägt sie ab. Dass die Akzeptanz der Kundinnen und Kunden, sich von einem augenscheinlich positiven Figaro mit Maske bedienen zu lassen, steigt, hofft sie. „Ich kann mir vorstellen, dass die Kundschaft aktuell in so einer Situation noch durchaus scheu ist“, meint Rupp.

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