Alle Zeichen auf „bunt“ in Emmersdorf. Das Ergebnis der Koalitionsgespräche: Liste „Bürgernahes Emmersdorf“, Grüne und SPÖ wollen Mehrheit bilden. ÖVP schlittert damit erstmals in die Oppositionsrolle.

Von Denise Schweiger und Markus Glück. Erstellt am 18. Februar 2020 (06:00)
Von links: Georg Ertl, Richard Hochratner („BNE“), Helmut Paul Wallner (Grüne) und Karl Hollnsteiner (SPÖ)
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Polit-Paukenschlag in Emmersdorf: Was viele ohnehin vermuteten, ist jetzt der offizielle Regierungsvorschlag. Die Liste „Bürgernahes Emmersdorf“ (kurz: „BNE“), die Grünen und die SPÖ wollen gemeinsam die Mehrheit bilden. Als Ortschefkandidat stellt sich Richard Hochratner der Bürgermeisterwahl. Mehr als ein halbes Jahr ist es her, dass der damalige VP-Vize Hochratner per einstimmigem Beschluss seiner früheren Parteikollegen des Amtes enthoben wurde. Sieben Monate und eine Gemeinderatswahl später sind die politischen Karten nun völlig neu gemischt.

„Mit den Grünen und der SPÖ hatten wir wirklich konstruktive Gespräche. Es gibt ein gutes Arbeitsübereinkommen. Von der ÖVP kam sehr wenig“, resümiert Hochratner über die Koalitionsgespräche.

Der neue Vizebürgermeister Emmersdorfs soll Helmut Paul Wallner werden – damit wäre zum ersten Mal ein Grünen-Politiker im Bezirk in der Regierung. „BNE, wir Grünen und die SPÖ werden ein neues Miteinander leben und deshalb besonders auch der bisher allein regierenden VP die Hand zu einer gemeinsamen Mitarbeit reichen“, blickt der „Vize in spe“ motiviert in Richtung der kommenden Legislaturperiode. Mit der ÖVP habe es schlichtweg keine gute Gesprächsbasis gegeben: „Die VP hängt trotz sichtbarem Bemühen zur Öffnung noch zu sehr in alten, verstaubten Strukturen fest und erscheint nach den letzten Geschehnissen auch orientierungslos. Wir werden sie aber miteinbeziehen“, kommentiert Wallner.

ÖVP setzt Hoffnung auf weitere Gespräche

Und die ÖVP? Nach dem historischen Verlust der Absoluten bei der vergangenen Gemeinderatswahl schlittert sie höchstwahrscheinlich erstmals in der Geschichte der Gemeinde in die Oppositionsrolle.

So recht mit dieser Rolle will sich der aktuelle VP-Vizebürgermeister Georg Ertl aber noch nicht anfreunden. Er setzt weiter die Hoffnung in Gespräche mit allen Parteien und verweist darauf, dass die ÖVP bei der Wahl mehr als 45 Prozent hatte. „Wir haben ein 20 Punkte Konzept. Die Gespräche mit den Grünen haben eigentlich sehr gut ausgeschaut. Mich wundert, dass diese es anders sehen“, betont Ertl. Er selbst zeigt sich überrascht, über die „bunte Koalition“ mit Hochratner an der Spitze. „Meine Türen bleiben aber weiter offen. Wir reden weiterhin mit allen“, stellt Ertl klar. Die konstituierende Sitzung soll Anfang März stattfinden.