Emmersdorfer Kläranlage: Zwei Männer fürs Grobe. Günter Sautner und Michael Böhm sorgen für saubere Abwässer. Ein Gespräch über ihren Alltag, die Anlage und warum es manchmal grauslich wird.

Von Denise Schweiger. Erstellt am 21. April 2021 (04:08)
Die Emmersdorfer Kläranlage wird modernisiert: Günter Sautner, Michael Böhm und Richard Hochratner (v. l.) zeigen Material. Fotos: Schweiger
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Das Thunfischsteak lag dampfend auf Günter Sautners Teller, er hatte schon das Besteck in der Hand. Als er gerade den ersten Bissen seines Weihnachtsessens im Kreise der Familie genießen wollte, klingelte das Telefon. „Ein Riesen-Rohrbruch, ich soll sofort kommen“, erinnert sich Sautner zurück. Wenn der Klärwart und Wassermeister gebraucht wird, ist er eben immer zur Stelle – auch am Heiligen Abend.

Sautner kümmert sich seit 30 Jahren um die Emmersdorfer Kläranlage und um alle Kanäle, Pumpwerke sowie Anschlüsse in der Gemeinde. 1991 wurde die 3.000-Einwohner-Anlage in Betrieb genommen, seither ist der Emmersdorfer rund um die Abwässer im Einsatz.

Aktuell wird das Klärwerk um rund 80.000 Euro auf Vordermann gebracht, wie Bürgermeister Richard Hochratner (Liste „Bürgernahes Emmersdorf“, kurz: BNE) berichtet: „Viele Jahre wurde nichts in die Anlage investiert, wir nehmen das jetzt in Angriff. Das Material ist schon da, bis zum Sommer wollen wir fertig sein.“

„Man glaubt nicht, was alles im Abfluss landet“

Sautner freut sich auf die Modernisierung der Kläranlage: „Die Lebenszeit der Technik ist halt einfach begrenzt. Jetzt wird alles ausgetauscht und erneuert, das ist super.“ „Und das erleichtert uns die Arbeit“, fügt Michael Böhm hinzu. Seit zwei Jahren ist der 34-Jährige an Sautners Seite im Kläranlagen-Dienst – denn Sautner (59) geht in eineinhalb Jahren in Pension.

„Ich möchte so viel Wissen wie möglich an Michael weitergeben. Wir sind ein tolles Team und ich freue mich, mit ihm zusammenzuarbeiten“, meint Sautner. Böhm, gelernter Elektriker, hat bereits die Ausbildung zum Wassermeister absolviert, als nächstes steht der Kurs zum Klärwart an.

Bis zu Sautners Pensionsantritt erledigen die beiden die alltäglichen Arbeiten in der Kläranlage gemeinsam: Arbeitsbeginn um 6 Uhr Früh, Proben aus dem Zu- und Ablauf oder etwa dem Belebungsbecken entnehmen und anschließend im Labor untersuchen, Schlamm abziehen, die Sichttiefe messen, die Belüftung kontrollieren. „Die Arbeiten sind sehr vielfältig“, berichtet Böhm, „es kann aber auch grauslich werden – man glaubt gar nicht, was alles im Abfluss landet!“

Kondome, Damenhygieneartikel, sogar Strumpfhosen und Unterwäsche haben die beiden schon aus der Rechenanlage gefischt. „Die filtert zwar das Abwasser, aber manches findet halt leider doch seinen Weg. Tausende Wattestäbchen zum Beispiel“, betont Sautner, dass der Abfall immer in den Müll gehört – und nicht in den Abfluss.

Auch ein neues Auto soll bald zur Verfügung stehen – ihr aktuelles Gefährt hat bereits 12 Jahre auf dem Buckel. Fotos: Schweiger
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Seitdem Böhm ebenso bei der Kläranlage tätig ist, teilen sich die beiden auch die Rufbereitschaft. „Da erlebt man schon einiges“, schmunzelt der 34-Jährige. Einmal wurden sie gerufen, weil der Regeneinlauf gegenüber einer Baustelle allem Anschein nach verstopft war. „Das war er auch – vom Zement, der von der Baustelle nebenan reingeschwemmt wurde.“

Stundenlang stemmten die Emmersdorfer und hantierten mit der Brechstange, ehe das Wasser wieder abfließen konnte. „Mancher Einsatz verlangt einem viel ab, aber die Mühe lohnt sich, man hilft den Menschen“, sagt Sautner. Als er bei dem Rohrbruch, damals zu Weihnachten – als er sein Thunfischsteak unangerührt ließ –, dafür sorgte, dass die Anrainer während den Feiertagen Trinkwasser haben, fiel ihm einer der betroffenen Nachbarn um den Hals. „Die Dankbarkeit war so groß, das werde ich nie vergessen.“