Ende eines besonderen Semesters im Bezirk Melk. Ein ungewöhnliches Schuljahr ist zu Ende. Die NÖN fragte Direktoren, Lehrer, Schüler und Eltern, wie es ihnen ergangen ist.

Von Tanja Horaczek-Gasnarek und Markus Glück. Erstellt am 08. Juli 2020 (04:21)
Die Einen gehen – die Anderen bleiben: Für die Schüler der vierten
NMS Emil, Sebastian, David, André, Niklas, Fabian und Noah ist die Zeit hier in Loosdorf zu Ende, während Leon, Luis, Viktoria, Nino und Timo aus der zweiten Klasse Volksschule noch weitere Jahre hier verbringen werden. 
Horaczek-Gasnarek

Harte Monate liegen hinter den Schülern – aber auch den Pädagogen und Eltern. Dieses Halbjahr geht in die Geschichte ein. Denn – Corona sei dank –, gab es zum ersten Mal für Monate „Homeschooling“ für alle. Jetzt gab es Noten – und diese nicht nur für die Schüler.

Da viele Eltern notgedrungen in die Rolle des Lehrers geschlüpft sind, wurden auch ihre Leistungen – wenn auch nicht offiziell – beurteilt. Die Zeugnisverteilung lief coronabedingt auch nach dem Prinzip der Ausdünnung ab. Jede Schule stellte sich anders auf die Pandemie ein und zog jetzt ihr Resümee der vergangenen vier Monate.

„Die sozialen Kontakte sind für die Kinder äußerst wichtig und das Lernen in der Gruppe motivierender.“Gottfried Röster, Direktor der NMS Pöggstall

Im Schulzentrum Ybbs stellten die Lehrer zum Start der Coronakrise binnen drei Tagen auf Distance-Learning um. Danach folgte der Unterricht via Microsoft-Teams. „Wir haben den kompletten Stundenplan über Videokonferenzen durchgezogen. Ein unvorstellbarer Aufwand für die Lehrkräfte“, hebt SZ-Direktor Rainer Graf den „Corona-Einsatz“ seiner Kollegen hervor. Die Eltern waren den Lehrern am Schulzentrum ebenso dankbar:

„Durch die Abhaltung des Stundenplanes haben wir den Kindern in der Coronazeit eine Struktur gegeben. Wir haben ab 7.30 Uhr Präsenzunterricht abgehalten.“ Bei der Rückkehr in die Schule, und der coronabedingten Klassenteilung, keimte in Ybbs der Wunsch auf, weiterhin per Videokonferenz den Unterricht abzuhalten. „Wir verwenden dadurch noch heute Teams im Unterricht, und die Schüler, die nicht in der Schule sind, können zuschauen. Das ist aber nicht verpflichtend“, meint Graf. Und das Zeugnis? „Wir haben die gleichen Leistungen wie auch in den letzten Jahren“, meint Graf.

Die Neue Mittelschule Pöggstall mit Direktor Gottfried Röster ist durch den Schwerpunkt Informatik „sehr gut“ durch die letzten Wochen gekommen. „Alle Schüler der ersten und zweiten Klassen haben Netbooks, in den dritten und vierten Klassen gibt es jeweils eine Netbook-Klasse“, erklärt Röster. Daher ist bei ihnen kein Schüler in der Coronazeit verloren gegangen, alle Kinder wurden erreicht. „Wir arbeiten mit MS Teams im Kontakt mit den Schülern und mit SchoolFox zum Elternkontakt“, bekräftigt der Direktor. Jedoch wünscht er sich für den Herbst einen Normalzustand. „Die sozialen Kontakte sind für die Kinder äußerst wichtig und das Lernen in der Gruppe motivierender“, betont Röster. Die 260 Schüler der NMS sind nach der Wiederöffnung im Mai sehr ruhig und diszipliniert in die Schule gekommen.

"Homeschooling gut verlaufen"

Die größte Volksschule im Bezirk mit 238 Schülern in Loosdorf zieht ebenfalls eine positive Bilanz. „Das ‚Homeschooling‘ ist recht gut verlaufen. Wir haben jedoch nicht überwiegend auf digitalte Medien gesetzt – diesen Punkt wollen wir noch ausbauen“, erklärt Schulleiterin Petra Matejschek. Dazu brauche es laut ihr die Unterstützung des Schulerhalters. Heuer wird die Volksschule erstmals zum Sommer-Schulstandort. „Ab September erhoffen wir uns einen normalen Schulbetrieb. Von einer wiederholten Schulschließung halte ich wenig“, betont Matejschek. Aber es gibt natürlich Überlegungen, wie mit eventuellen Änderungen umgegangen wird. Ab Herbst besuchen 241 Kinder die Schule. Der erste Schultag für die Anfänger wird so gestaltet: Es werden nicht alles Kinder und Eltern auf einmal in einer Klasse sein. „Über den genauen Ablauf werden die Eltern in einem Brief der Klassenlehrerinnen informiert“, sagt die Direktorin.

Der VP-Nationalrat und Bauernbund-Präsident Georg Strasser ist auch Elternvertreter der Schule HLUW Yspertal, sein Fazit aus der Corona-Schulschließung: „An Schulen mit praktischen Unterricht sollte in Kleingruppen ein Praxisunterricht ermöglicht werden. Das geht mit Distance-Learning nicht. Das sollte berücksichtigt werden.“

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