Stadthallen-Sanierung: „Wer zahlt für kaputte Kühlbox?“. Diskussion um geplanten Vollausbau des Gastrobereichs auf Gemeindekosten. Wirte-Suche im vollen Gange.

Von Markus Glück. Erstellt am 28. Februar 2020 (04:12)
Die Arbeiten bei der Ybbser Stadthalle verlaufen im Zeitplan. Im Jänner 2021 ist die große Eröffnungsfeier geplant. Im Dezember startet der Probebetrieb.
Markus Glück

Hoch gingen in der vergangenen Gemeinderatssitzung die Emotionen beim Thema Stadthalle. Bei der 13. Baubereitssitzung Anfang Februar wurden zwei Nachtragsangebote diskutiert. Verständnis hatten alle Gemeinderäte bei den Mehrkosten von 170.000 Euro für die Neuinstallierung der Saaldecke samt Verbesserung der Raumakustik sowie für die beiden Seminarräume im oberen Geschoß.

Emotionaler wurde es dann aber beim zweiten Thema. Dabei ging es um die Frage, ob der künftige Pächter des Gastrobereiches bereits im Vorfeld von der Stadtgemeinde etwa Sanitäranlagen oder Kühlraum bezahlt bekomme oder dieser nach Übernahme der Pacht selbst für die Installierung aufkommen müsse. Die Kosten für die rund 300 m große Gastrofläche sowie den Regionsshop belaufen sich dabei auf 50.000 Euro.

VP-Kratzer ortet einen „untypischen Vorgang“

VP-Gemeinderat Gert Kratzer will Wirten lieber einen Preisnachlass geben.
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Für VP-Gemeinderat Gert Kratzer ein unnötiges Unterfangen: „Ich sehe einen Nachteil daran, dass der mögliche Pächter bereits vor vollendete Tatsachen gestellt wird. Außerdem ist es ein sehr untypischer Vorgang. Normal baut ein Gastronom nach seinen Vorstellungen.“ SP-Stadtrat Willi Reiter brachte in der Diskussion den Kostenvorteil des jetzigen Umbaus ins Spiel. So liegen diese für die Maßnahme bei 50.000 Euro, später habe ein Wirt, so Reiter, mit Kosten im sechsstelligen Bereich zu rechnen. Und SP-Gemeinderat Bernhard Eisler pocht auf die Rechtssicherheit: „Nach dem Vollausbau verpachte ich ja keine Baustelle, sondern ein fertiges Lokal.“

Gerade daran stößt sich aber wieder Kratzer, der die Schadensfrage in den Raum stellt. „Wer zahlt für die Kühlbox, wenn sie kaputt ist? Die Gemeinde, weil diese der Wirt ja mitgepachtet hat. Es ist besser, der Wirt baut aus und erhält von uns einen Preisnachlass von 50.000 Euro“, meint Kratzer.

SP-Stadtchef Alois Schroll erläutert, dass auch nach der Kostenübernahme der Gemeinde für die Fertigstellung für jeden Wirt noch genug zu investieren sei.

Offen ist auch noch die Frage, wer der künftige Pächter wird. Mit Generalunternehmer Thomas Pöchhacker ist vereinbart, dass eine Bemusterung der künftigen Gastrofläche bis Ende Juni erfolgen muss. Kratzer hofft, dass bis dahin ein passender Pächter für die Stadthallen-Gastro gefunden wird: „Wenn wir das rechtzeitig schaffen, kann der Pächter zumindest noch Einfluss nehmen.“

SP-Stadtchef Alois Schroll sieht in einem Vollausbau einen klaren Vorteil.
Jäger

Laut Schroll gibt es derzeit 13 interessierte Personen, darunter Wirte, die bereits in Einkaufszentren Lokale oder selbst ein Cateringservice betreiben. Acht Wirte sind direkt an die Stadthalle herangetreten, bei den restlichen fünf wurde die Stadtgemeinde aktiv und wandte sich an die möglichen Pächter. „Wir führen derzeit Gespräche. Das Ziel ist, dass wir in den nächsten Wochen einen geeigneten Pächter für die Stadthallen-Gastronomie finden“, betont Schroll.

Bei der Abstimmung enthielten sich die FP-Gemeinderäte Andreas Reitner und Gerhard Steindl sowie Gert Kratzer und Andreas Blesberger (beide ÖVP) der Stimme.

Mit dem Beschluss für die beiden Nachtragangebote stieg die Gesamtsumme des Stadthallen-Umbaus auf 8,76 Millionen Euro. Insgesamt wurde für das Projekt ein Kostenrahmen von 8,8 Millionen Euro im Gemeinderat beschlossen.