Großengersdorfer Fassbinder erzählt über seine Arbeit. Der gelernte Fassbinder Josef Spitzer erzählt von seiner Arbeit. Holzgeschmack im Wein war zu seiner Zeit nicht erwünscht, Barrique tauchte erst später auf.

Von Christoph Szeker. Erstellt am 11. August 2019 (04:34)
Szeker
Nachdem er das Handwerk als Fassbinder niederlegte, übte sich JosefSpitzer als Künstler und schnitzte in Fassböden.

Die Fassbinderei ist eines der aussterbenden Handwerke. Denn nur noch wenige Weinbauern lagern ihren Wein heutzutage in Holzfässern oder pressen diesen in einem der urigen gemauerten Presshäuser. Üblich sind heute moderne Hallen und Edelstahlbehälter. Ausgestorben sind die Holzfässer zwar nicht, aber wie einst in jeder Ortschaft, gibt es die Fassbinder heute nicht mehr.

In Großengersdorf waren zwei der Handwerker angesiedelt. Einer von ihnen ist Josef Spitzer, nach ihm ist auch der unlängst erneuerte Spitzerpark benannt. Er wollte eigentlich nicht Fassbinder werden, aber der Beruf lag in seiner Familie, also war ihm dieser Weg vorgegeben. Hauptberuflich arbeitete Spitzer aber in der Nationalbibliothek.

Die Gemeinde hat er als einen Ort mit vielen Betrieben in Erinnerung: Hier hat es neben den zwei Fassbindern, auch Schmiede, fünf oder sechs Schuster und fünf Gasthäuser gegeben. Doch damit ist die frühere Wirtschaft im Ort noch nicht vollständig erfasst. Dank der großen betrieblichen Vielfalt war die Gemeinde früher noch Quasi-Selbstversorger. „Jedes Haus war fast Selbstversorger“, sagt Spitzer. Ab den 60er Jahren habe laut Spitzer dann aber ein schrittweiser Rückgang der Betriebe eingesetzt. Der Zusammenhalt in der Gemeinde ist aber nach wie vor stark.

Eine Woche Arbeit für ein 2.000-Liter-Fass

Als er noch aktiv war, fertigte Spitzer in seiner Werkstatt zahlreiche Weinfässer aus Eiche und Akazie an – die haltbarsten Hölzer für den Fassbau. Das Holz haben die Fassbinder anfangs noch selbst geschlägert und gespalten, denn geschnitten wurde erst später. Um ein Fass für 2.000 Liter Wein fertigzustellen, benötigte Spitzer gut eine Woche Arbeitszeit.

Die größten Fässer mussten nach Ankunft bei den Presshäusern jedoch wieder zerlegt werden, da sie sonst nicht in die Kellergewölbe gebracht werden konnten. 50 bis 60 Jahre betrug dann die Lebensdauer eines solchen handgefertigten Behälters. „Leerstehen ist schlecht“, erklärt Spitzer aber, denn dann beginnen die Fässer zu verfallen. Vor allem in feuchten Kellern.

Holzgeschmack im Wein war damals übrigens nicht erwünscht. Der Barrique-Trend hielt erst später Einzug in den heimischen Weinbau, Spitzer selbst ist kein Freund davon. Um den Fässern ihren Eigengeschmack zu nehmen, wurden sie ausgedampft. „Das war nicht leicht, weil es keine Wasserleitung gab“, erinnert sich Spitzer.

Interessierte können im Museum für Dorfkultur Materialien von Spitzer betrachten.