Coronaflucht aus Stadt? Preise steigen, Immobilien rar. Bezirk Mistelbach: Immobilienhändler sehen Tendenz zum Land, aber keine Lawine.

Von Michael Pfabigan. Erstellt am 28. Oktober 2020 (04:04)
Bauen im Ortsverband, wie hier in Mistelbach, ist schwer: Bauplätze für Einfamilienhäuser sind rar, bebaute Flächen fast nicht zu bekommen.
M. Pfabigan

Gibt es durch Corona eine Landflucht der Städter ins Weinviertel? „Im Bezirk Mistelbach hatten wir schon in der Vergangenheit Käufer aus Wien, denen es in der Stadt zu eng geworden ist. Das hat sich nach der Pandemie verstärkt“, sagt Franz Hugl, Büroleiter von RE/MAX Best in Mistelbach.

Leider sei das Einfamilienhausangebot in der Region knapp und das treibe die Preise in Höhen, die sich die ortansässigen Interessenten nicht mehr leisten wollen. In Zahlen: Laut RE/MAX-ImmoSpiegel, bei dem alle in einem Bezirk im Grundbuch verbücherten Verkäufe ausgewertet werden, stieg im ersten Halbjahr 2020 die durchschnittliche Kaufsumme bei Einfamilienhäusern um 17,5 Prozent gegenüber dem Wert des Jahres 2019. Die Zahl der verkauften Immobilien sank hingegen um 28,6 Prozent.

„Andererseits sind auch Umwidmungen in Bauland sehr rar, bzw. stehen viele Leerflächen in Ortszentren leer, welche die Eigentümer nicht hergeben bzw. auch nicht sanieren“, sagt Hugl: „Hier sollten Gemeinde oder Land einen Druck für die Baureifemachung machen.“ Ein Umstand, mit dem viele Gemeinden derzeit zu kämpfen haben, denn das Land NÖ ist bei der Umwidmung neuer Bauplätze eher zurückhaltend, zuerst muss die Gemeinde entsprechende Versuche, bestehendes Bauland zu mobilisieren, nachweisen.

Mistelbach ist Pilotgemeinde bei Versuchen, Baulücken im Ortsverband zu schließen bzw. die Flächen alter, leer stehender Häuser für Neubauten zu gewinnen: „Manche wollen das Grundstück für die Kinder oder Enkelkinder aufheben, manche haben unrealistische Erwartungen beim Kauferlös“, sagt Stadtrat Friedrich Brandstetter (LaB): „Von Seiten der Gemeinde kann man nur an die Haus- und Grundbesitzer appellieren, beizutragen, die Stadt oder das Dorf lebendig zu erhalten und weiterzuentwickeln.“

Coronalandflucht? „Nein, weil das Angebot an Einfamilienhäusern dafür einfach nicht vorhanden ist. Aber es lassen sich in die Zahlen sehr wohl Versuche, auf das Land zu übersiedeln, hineininterpretieren“, sagt Hugl.