Frauen in der Politik: Sensibler, ruhiger & einfühlsam. Seit 100 Jahren haben Frauen das Wahlrecht. In der Politik sind sie trotzdem noch eine Minderheit.

Von Stefanie Markon. Erstellt am 06. März 2019 (05:00)
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„Ich bin die erste Bürgermeisterin in unserer Gemeinde und da wird man schon oft mit den männlichen Kollegen verglichen. Aber das Denken der Leute hat sich auf jeden Fall verändert.", sagt Bernhardsthals Ortschefin Doris Kellner: 

„Frauen sind sensibler, ruhiger, diplomatischer, einfühlsamer und nicht so sehr auf Angriff fokussiert im Vergleich zu Männern. Wir Frauen haben einfach ein etwas anderes Denken als die Männer“, ist die Bernhardsthaler Bürgermeisterin Doris Kellner überzeugt. Es sei jedoch auch nicht einfach, man müsse sich oft behaupten - gerade in der Politik.

„Ich bin die erste Bürgermeisterin in unserer Gemeinde und da wird man schon oft mit den männlichen Kollegen verglichen. Aber das Denken der Leute hat sich auf jeden Fall verändert. Die Dominanz der Männer ist jedoch nach wie vor vorherrschend, da müssen wir Frauen eben auch zusammenhalten“, schmunzelt Kellner. 

Quelle: Land NÖ, Abteilung Gemeinden; Illustration: Vitaly Art/Shutterstock.com; NÖN-Grafik: Bischof

Auch Ernestine Rauscher, Bürgermeisterin von Neudorf hat viele positive Erfahrungen gesammelt: „Wenn mich Kinder schon von Weitem grüßen und ich für andere etwas bewegen und verändern kann, ist das doch ein sehr schönes Gefühl.“ Was Frauen besser als Männer können sei, dass die weiblichen Führungskräfte viel mit dem Bauchgefühl und aus der Intuition heraus entscheiden. Auch können sie besser zuhören und sich in die Lage anderer versetzen - Männer hätten eher vorgefertigte Meinungen.

Auch Jung-Politikerin Claudia Pfeffer hat diese Erfahrung gemacht: „In meinem Vorstand sind deutlich mehr Männer als Frauen, aber wir arbeiten als Team und das Geschlecht spielt hier überhaupt keine Rolle. Jeder bringt sich gleichermaßen ein.“

„Es ist wichtig, dass Frauen andere Frauen dazu ermutigen, in die Politik zu gehen. Wir sollten uns gegenseitig unterstützen." Jung-Politikerin Claudia Pfeffer

Pfeffer hat oft den Eindruck, dass Männer wenig Angst vor dem Scheitern haben, ihren eigenen Fähigkeiten vertrauen und einfach machen. Zeit ist jedoch ein großes Thema, ist Pfeffer überzeugt. Sie als Studentin ohne Kinder hat kein Problem Beruf, Uni und Politik zu vereinen. Jedoch würde, sobald ein Haus gebaut wird und Kinder da sind, welche Abende und Wochenenden vieler Frauen mit Aufgaben füllen, nur wenig bis gar keine Zeit für politische Arbeit bleiben. Frauen würden die Karriere für die Familie zurückstecken. „Daher ist es wichtig, dass Frauen andere Frauen dazu ermutigen, in die Politik zu gehen. Wir sollten uns gegenseitig unterstützen. Wir sollten Frauenthemen vorantreiben, da wir oft andere Ansichten und Einblicke haben als Männer.“ 

Nationalrätin Melanie Erasim denkt, dass sich jeder in der Politik seine Positionen erkämpfen muss, egal ob Frau oder Mann. Bei Frauen werde da dann aber trotzdem noch doppelt und dreifach hingesehen. „Und man muss doppelt oder dreifach so gut sein, wie ein Mann“, sagt Erasim. Als Frau sei man schneller einer härteren Kritik ausgesetzt. Mit ihrer Forderung nach mehr Frauen in der Politik, durchaus auch in der eigenen Partei, war sie schon vor mehr als zehn Jahren eine Vorreiterin.

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