Musikschulen im Lockdown: „Kinder haben kein Ziel“. Seit einem Jahr keine Auftritte wegen Corona. Unterrichtet wird aber trotz der vielen Herausforderungen.

Von Kathrin Schlegelhofer. Erstellt am 14. April 2021 (05:50)

Kein gemeinsames Musizieren, keine Auftrittsmöglichkeiten und nur wenig Hoffnung auf baldige Besserung - wie kann der Betrieb in Musikschulen während der Corona-Pandemie funktionieren?

Herrscht gerade nur ein leichter Lockdown, ist die Situation machbar, wie Peter Hofmann, der Direktor der Musikschule Staatz, erzählt: „Es war nicht ideal, aber man hat einzeln und in Gruppen unterrichten können“. Während eines strengen Lockdowns, wie es im Moment der Fall ist, bleibt jedoch auch hier nur eines: Distance Learning.
In den Gemeinden gestaltet sich das aber oft mühsam, das größte Problem ist auch hier die Internetverbindung. „Die ist oft schlecht, dann muss man nur mit Ton arbeiten“, weiß Hofmann.

Im Gegensatz zu den älteren Musikschülerinnen und -schülern ist die Technik für die Jüngeren auch manchmal überfordernd. Der Poysdorfer Musikschuldirektor Richard Jauck betont: „Bei den Kleinen ist sehr wichtig, dass uns hier die Eltern helfen“.
Aber nicht nur die Eltern sind jetzt besonders gefordert, auch für die Lehrkräfte bedeutet die Situation ein Mehraufwand. Videos werden aufgenommen, Arbeitsmaterialien verschickt und zusätzlich finden Stunden zu den gewohnten Zeiten online statt. „Das erfordert Engagement und es lässt sich immer leichter sagen, als das tagtäglich umzusetzen“, weiß der Wolkersdorfer Musikschuldirektor Alexander Marius-Blach um die Situation der Lehrerinnen und Lehrer.

Man kann der erzwungenen Beschäftigung mit der Technik jedoch auch etwas Positives abgewinnen. Vor allem für die Kinder ist es eine Bereicherung. „Sie merken, wie es ist, wenn man zum Beispiel ein Video erstellt, wo jeder eine Spur darauf singt“, erzählt Marius-Blach.

Außerdem positiv: Seit Beginn der Pandemie gab es in den Musikschulen des Bezirks kaum negative Rückmeldungen, auch Abmeldungen sind großteils ausgeblieben. Denn auch der Nachwuchs freut sich, ab und zu ein anderes Gesicht zu sehen.

Das größte Problem sehen die Direktoren aber bei den Bläserklassen, einer Kooperation mit den Volksschulen. „Die meisten Musiker bei den Blasinstrumenten kommen aus den Bläserklassen in den Volksschulen“, beschreibt Marius-Blach die Situation. Der Unterricht konnte aber wegen Corona weitgehend nicht stattfinden. In Wolkersdorf hat man diese Schüler dann in die Musikschule selbst geholt, bei einem strengen Lockdown fällt das und somit die Werbung aber natürlich weg.

Grundsätzlich ist die Motivation der Kinder nun das Hauptaugenmerk der Lehrkräfte. „Alles, was Freude macht, ist jetzt wieder nicht erlaubt und die Kinder haben kein Ziel. Am wichtigsten ist, dass das Ganze nicht in Desinteresse abgleitet.“, weiß der Staatzer Musikschuldirektor.

Das versucht man durch virtuelle Auftrittsmöglichkeiten zu vermeiden, sei es auf den Webseiten der Musikschulen, bei virtuellen Klassenabenden oder bei Wettbewerben wie prima la musica. Auch Tobias Lehner aus Asparn hat bei dem österreichischen Jugendmusikwettbewerb erfolgreich teilgenommen und darf demnächst noch einmal auftreten, sofern es die Pandemie erlaubt. „Ich freue mich auf den Wettbewerb in Salzburg und hoffe auf eine baldige Entspannung der Situation“, erzählt der 14-Jährige von der Musikschule Staatz.

Darauf hoffen auch die Direktoren, denen die Planung der Zukunft der Musikschulen zunehmend schwerfällt. Etwaige Konzerte kann man höchstens online vorbereiten, wie das Programm im Poysdorfer Reichensteinhof zusammen mit der Kulturplattform.
„Es geht hier ja auch um Jobs“, erinnert Marius-Blach. Denn in die Schule müssen Kinder gehen, in die Musikschule jedoch nicht.

Trotz allem versucht man, positiv zu bleiben und hofft, dass bald die Freude am gemeinsamen Musizieren wieder überwiegt.

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