„Schule hat uns gefehlt“. Ein ungewöhnliches Schuljahr ist zu Ende. Die NÖN fragte Direktoren, Lehrer, Schüler und Eltern, wie es ihnen ergangen ist.

Von Werner Kraus und Florian Mark. Erstellt am 08. Juli 2020 (03:31)
Schüler der Mittelschule in der Hindenburgstraße mit Abstand und einer geteilten Klasse im Computerraum.
Werner Kraus

Es war ein Schuljahr, das Schüler, Lehrer und Eltern aller Schulen und Schulstufen ab Mitte März vor neue, unerwartete Herausforderungen gestellt hatte, die nach den Erfahrungen der Beteiligten sowohl Vor- als auch Nachteile mit sich brachten.

„In den ruhigen Wochen zuhause hatten wir sehr viel Zeit für die Matura-Vorbereitung. Noch dazu durften wir, anders als in vielen Schulen, noch vor Corona unsere vorwissenschaftlichen Arbeiten präsentieren. Die Arbeiten hatten viel Arbeit erfordert, deshalb bin ich darüber froh“, sagt Gregor Gasteyer, Schulsprecher und Maturant am BORG Mistelbach. Der abrupte Lockdown hingegen sei für viele Schüler schwer gewesen: Es habe die Gelegenheit gefehlt, vom Schulgebäude Abschied zu nehmen.

Dass der Wert der Institution Schule als sozialer Ort durch die Krise sichtbar wurde, betont BORG-Elternvertreter Ludwig Zickl. „Sowohl die Kleinen als auch die Großen litten an den fehlenden Sozialkontakten. Dass allen selbst die Lehrer fehlten, schien zunächst schwer zu glauben.“ Die Effektivität von e-Learning hing vor allem vom Engagement aller Beteiligten ab. „Wenn Schüler Aufgaben nicht verstehen und ihnen auch ihre Eltern nicht helfen können, ist die Frustration verständlich.“ Trotz einer insgesamt erfolgreichen Umstellung würden alle hoffen, dass der Unterricht im Herbst in altbewährter Form wieder aufgenommen werden kann.

„Es wäre schön, wenn das kommende Schuljahr in alter Form weitergeht“, sagt Thomas Jaretz, Direktor des BG/BRG Laa. „Trotzdem haben wir organisatorische Vorbereitungen getroffen, falls das nicht geschehen sollte. Insgesamt können wir auf ein entspanntes Jahr zurückblicken.“ Für ihn seien die technischen Herausforderungen übertrieben dargestellt worden. „Natürlich gab es auch Probleme - Kommunikation mit Lehrern, die keinen Computer haben, die Einschulung für unsere jüngsten Schüler in den 1. Klassen und so weiter. Aber die benutzten Programme waren uns allesamt schon vorher bekannt.“ „Im digitalen Bereich haben wir nach ersten Herausforderungen große Fortschritte gemacht“, berichtet Renate Schodl, Direktorin der NMS Poysdorf. „Gerade Videokonferenzen wären noch vor einem halben Jahr undenkbar gewesen.“

Für Gregor Gasteyer bot das Schuljahr neben neuen Kenntnissen zur Kommunikation übers Internet noch eine weitere Lektion. „Ich habe Bescheidenheit gelernt“, sagt der 18-Jährige. Er ist einer von rund 60 diesjährigen Maturanten des BORG Mistelbach, von denen alle die Reifeprüfung bestanden haben.

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