Umgangston am Platz: Ausbildung wichtiger als Siege. Verband sagt Aggression und Überehrgeiz den Kampf an.

Von David Aichinger. Erstellt am 13. März 2019 (04:30)
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Fußball soll vor allem eines: Spaß machen! Manche Erwachsene am Spielfeldrand vergessen das oft.Shutterstock.com

Tobende Mütter, schimpfende Großväter, drohende Väter – die Umgangsformen auf den Fußballplätzen bei Nachwuchsspielen sind oft unschön und keinesfalls kindgerecht. Der niederösterreichische Fußballverband hat das Problem erkannt und will mit einer Plakatkampagne gegensteuern. Kernbotschaft: Erwachsenen Sportplatzbesuchern soll ihre Vorbildfunktion bewusst gemacht werden.

Ernst Weninger, Obmann der Jugendhauptgruppe Nord, die auch viele Vereine aus dem Bezirk beinhaltet, begrüßt diesen Schritt: „Sie mischen sich schon sehr viel ein, und zwar in den unteren Altersklassen – U8 bis U11.“ Ein zentrales Problem für den Verbandsfunktionär: „Alle wollen gewinnen. Der Gewinnfaktor ist ein ganz hoher.“

Für Weninger völlig fehl am Platz: „Die Ausbildung ist wichtiger. Der U7-, U8-, U9-, U10-Spieler braucht etwas anderes, als dass er gewinnt. Wenn es 0:20 steht und ein U7-Spieler schießt das 1:20 – der jubelt, als hätte er den Europacup gewonnen.“

Bekannt ist das Problem auch dem FC Mistelbach, wo Jugendleiter Franz Honsa aber Besserung sieht: „Es kommt schon ab und zu vor, dass sich Eltern einmischen. Aber ich muss sagen, das hat sich in den letzten zwei Jahren sehr radikal geändert.“ Der Schlüssel liegt für den Funktionär auf der Hand: „Bei den Vereinen wird wirklich gute Aufklärungsarbeit gemacht. Damit wird das schon im Großen und Ganzen unterbunden.“

„Wir erklären den Eltern bei Elternabenden, dass sie die Kinder in erster Linie anspornen und anfeuern sollen, anstatt sie von draußen zu diktieren.“Jugendleiter Franz Honsa

Wie das bei seinem Verein aussieht? „Wir erklären den Eltern bei Elternabenden, dass sie die Kinder in erster Linie anspornen und anfeuern sollen, anstatt sie von draußen zu diktieren.“ Der Fokus würde auch auf der Auswahl der Trainer liegen: „Da haben wir doch ein paar sehr Gute, die Riesenerfahrung mitbringen und da ein Augenmerk drauf haben.“

Weninger stößt in dieselbe Kerbe: „Ein Großteil der Trainer ist noch immer zu wenig ausgebildet.“ Als Ex-Vereinsobmann kenne er zwar die Problematik, überhaupt Trainer zu finden, er hat aber auch Ideen: „Ich predige bei allen Sitzungen, dass man Mitgliedsbeiträge verlangen sollte. Du musst für alles zahlen, nur Fußball ist gratis. Viele Vereine bieten was: Kabine, schönen Platz, Dressen – das ist mir als Vater auch was wert.“

„Es war immer fair. Natürlich gibt es Leute, die rein schreien, und Spieler, die sagen, das stört mich. Aber ich hab´ ihnen immer gesagt, lass´ ihn reden und konzentrier´ dich nur aufs Spielen.“ Olindo Sangiorgi, „pensionierter“ Schiri aus Wilfersdorf

Immerhin: Szenen wie in Prottes, wo vor rund zwei Jahren die Polizei zu einem U8-Spiel ausrücken musste, weil sich Zuschauer in die Haare kriegten, gab es im Bezirk nicht. Olindo Sangiorgi, „pensionierter“ Schiri aus Wilfersdorf, stellt den Kindern überhaupt ein gutes Zeugnis aus. Bei seinen Spielen sei, abgesehen von Kleinigkeiten, nie etwas gewesen:

„Es war immer fair. Natürlich gibt es Leute, die rein schreien, und Spieler, die sagen, das stört mich. Aber ich hab´ ihnen immer gesagt, lass´ ihn reden und konzentrier´ dich nur aufs Spielen.“ Gerald Seiter aus Großkrut sieht das ein wenig anders: „Die letzten paar Jahre wird es immer schlimmer. Nicht überall, aber bei manchen Vereinen. Ich bin doch schon 25 Jahre Schiedsrichter, aber früher ist mir das nicht so arg vorgekommen.“