Wahnsinn bei Nordbahn: 22 Tage und 35 Zugausfälle

Erstellt am 31. August 2022 | 04:19
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Landtagsabgeordneter Dieter Dorner (FPÖ) sieht entlang der Nordbahn für die Pendler untragbare Zustände. Jetzt richtete er eine parlamentarische Anfrage an Landesrat Ludwig Schleritzko.
Foto: zVg
Pendler aus dem Bezirk Mistelbach haben schon arbeitsrechtliche Probleme, wegen der Unzuverlässigkeit der Bahn. Land NÖ sieht ÖBB in der Pflicht.

„Wir Pendler aus Rabensburg und Bernhardsthal sind anscheinend Menschen zweiter Klasse“, ärgert sich ein Bahnkunde: „Wir zahlen die selben Beträge für die Tickets wie die anderen auch, werden jedoch ständig benachteiligt.“

Immer wieder kommt es vor, dass Züge schon in Hohenau nach massiven Verspätungen umkehren und die nördlichen Haltestellen gar nicht mehr bedienen. An die von der ÖBB genannten technischen Probleme der Züge glauben die Pendler schon lange nicht, weil Richtung Wien die Garnituren wieder regulär fahren können. Das plötzlich in Hohenau gestrandet sein, ist aber nur ein Teil des Problems.

Dieter Dorner: „Das ist ein untragbarer Zustand"

Verspätungen sind eher der Regelfall und laufend fallen Züge überhaupt ganz aus: „Alleine zwischen 8. und 30. Juli wurden 35 Ausfälle und Totalausfälle dokumentiert“, rechnet FPÖ-Verkehrssprecher und Landtagsabgeordneter Dieter Dorner vor: „Das ist ein untragbarer Zustand. Zuerst die Menschen auf die Schienen zwingen und dann nicht die Ressourcen zur Verfügung zu stellen.“

Er hat Beweise, dass wegen des ständigen zu spät zur Arbeit Kommens schon Kündigungen ausgesprochen wurden. „Ich habe mit einer jungen Familie gesprochen, die haben sich extra entlang der Nordbahn angesiedelt. Jetzt überlegen sie, ob sie nicht wieder von Bernhardsthal wegziehen sollen“, sagt der Verkehrssprecher.

Auftraggeber für die Bahnverbindung ist das Land NÖ, das einen entsprechenden Verkehrsdienstevertrag mit der ÖBB abgeschlossen hat. In einer parlamentarischen Anfrage will Dorner jetzt vom zuständigen Verkehrslandesrat Ludwig Schleritzko (ÖVP) wissen, was das Land NÖ zu tun gedenkt, damit diese Missstände an der Nordbahn behoben werden. Und ob Schleritzko überhaupt weiß, wie es den betroffenen Pendlern geht. Ob er schon gezählt hat, wie viele Beschwerden in der Causa in seinem Büro eingelangt seien.

Schleritzko hat jetzt acht Wochen Zeit, die Fragen zu beantworten, auf die Letzteren wird Dorner wohl keine Antwort bekommen.

Im Büro von Landesrat Schleritzko weist man darauf hin, dass die Baustellenfahrpläne in den Sommermonaten Einschränkungen mit sich bringen würden. „Diese haben jedoch ein einziges Ziel: bessere Infrastruktur, um künftig noch schnellere Züge anbieten zu können“, heißt es aus dem Büro Schleritzko. „Blödsinn“, kontert Dorner. Der Ausbau der Nordbahn bringt nur den Fernreisenden etwas, nicht den Pendlern. Und durch das Sperren von kleinen Bahnübergängen haben auch die Landwirte und Menschen der Region einen Nachteil.“

Hinsichtlich der Verspätungen und Zugausfällen sagt der Sprecher des Landesrates: „Als Land NÖ sind wir zwar Besteller, aber nicht Betreiber der Nordbahn – dies sind die ÖBB. Wir nehmen die Rückmeldungen und Hinweise der Fahrgäste natürlich sehr ernst und werden die Umstände - wie in solchen Fällen üblich - von den ÖBB gründlich prüfen lassen. Sollten diese Zugausfälle keinen äußeren Umständen geschuldet sein werden wir hier natürlich schnellstmöglich reagieren.“